Ausgabe August 2014

Kurzgefasst

Götz Neuneck: Die neuen Hightech-Kriege? Von der Massen- zur Cyberarmee, S. 35-45

Ob durch Drohnen oder Cyber Commands – Kriege werden mehr und mehr digitalisiert, delokalisiert und entpersonalisiert. Zur Stabilisierung der Staatengemeinschaft oder gar zur Kriegsprävention trägt dies jedoch nichts bei, kritisiert Götz Neuneck vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg. Stattdessen birgt die Entwicklung dramatische ethische und rechtliche Gefahren, die dringend einer Untersuchung bedürfen.

Stephan Schulmeister: Von Amerika lernen. Roosevelts »New Deal« und die große Krise Europas, S. 46-54

Europa steckt weiterhin in einer tiefen Depression, ähnlich der der 1930er Jahre. Gleichzeitig schlagen alle Rettungsversuche fehl, eine wirtschaftliche Erholung des krisengeplagten Südens ist nicht in Sicht. Stephan Schulmeister vom österreichischen Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) nimmt deshalb Maß am Amerika Roosevelts und an dessen New Deal. Dieser tauge zum Leitfaden politischen Handelns in der gegenwärtigen Krise, und damit als Mittel, um dem Elend von Millionen Europäern entgegenzuwirken.

Vandana Shiva: Öko-Apartheid, Teil II. Das indische Exempel: Der Kampf um Land und Leben, S. 55-63

In wohl keinem anderen Staat fordern die globalen Privatisierungsfeldzüge so viele Opfer wie in Indien. Land, Ressourcen, sogar biologische Prozesse werden marktwirtschaftlichen Regeln unterworfen, während die nachhaltige, gemeinschaftliche Nutzung weichen muss. Dieser „Öko-Apartheid“ setzt die Menschenrechtlerin Vandana Shiva ein Verständnis von Demokratie entgegen, deren demos alles Lebende umfasst: Eine „Erd-Demokratie“, in der die Menschen nicht nur auf, sondern mit der Erde leben.

Raina Zimmering: Mythos Marcos: Zwanzig Jahre Zapatismus, S. 65-72

Zwanzig Jahre lang prägte „Subcomandante Marcos“ das Bild der Zapatisten – als kultureller Mittler zwischen dem Kampf der indigenen Gemeinden um Selbstbestimmung und der westlichen Kultur. Nun ist der bekannteste Vertreter der mexikanischen Guerilla abgetreten. Raina Zimmering, Professorin für Politik und Entwicklungssoziologie in Linz, bilanziert die vergangene Ära und gibt einen Ausblick auf den Zapatismus nach Marcos.

Heribert Prantl: Für eine Demokratie ohne Barrieren. Inklusion – die neue deutsche Einheit, S. 73-82

Seit bald 25 Jahren ist Deutschland vereint und doch noch immer gespalten: Menschen mit Behinderung, aber auch Migranten und Ältere stoßen immer wieder auf Barrieren, im Beruf wie im Privaten. Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der „Süddeutschen Zeitung“, plädiert daher für eine erneute „deutsche Einheit“ – einer Einheit durch „Inklusion“ und der Wertschätzung derer, die noch immer ausgeschlossen sind.

Albrecht von Lucke: Von Habermas zu Schirrmacher. Zur Lage des Intellektuellen in der Berliner Republik, S. 83-93

Der frühe Tod des FAZ-Mitherausgebers Frank Schirrmacher wurde zu recht als ein großer Verlust für die deutsche Diskurslandschaft gewürdigt. Kaum wahrgenommen wurde dagegen, wofür Schirrmacher auch stand: nämlich für eine dramatische Veränderung der Rolle des Intellektuellen. „Blätter“-Redakteur Albrecht von Lucke analysiert den Weg und die Bedeutung des Intellektuellen: von Bonn nach Berlin, von Jürgen Habermas zu Frank Schirrmacher – und darüber hinaus

Seyla Benhabib: Von Horkheimer zu Habermas und in die Neue Welt. Der ethisch-politische Horizont der Kritischen Theorie, S. 97-109

In ihrer Rede anlässlich der Feier zum 100jährigen Bestehen der Frankfurter Goethe-Universität unternimmt die „Blätter“-Mitherausgeberin Seyla Benhabib eine tour d’horizon durch die Geschichte der Frankfurter Schule: von den Anfängen unter Max Horkheimer und Theodor W. Adorno über Jürgen Habermas bis hin zu einem „Kosmopolitismus ohne Illusionen“, der Diskriminierung, Marginalisierung und die Missachtung differenter Identitäten wirklich ernst nimmt.

Hauke Brunkhorst: War Marx Antisemit? Die falsch gestellte Frage, S. 110-118

Während „Blätter“-Mitherausgeber Micha Brumlik in der letzten Ausgabe in Karl Marx einen Judenfeind, wenn auch nicht der Tat, so doch der Gesinnung, sah, widerspricht ihm der Soziologe Hauke Brunkhorst nun entschieden: Nach Marx lasse sich der Grad der menschlichen Emanzipation gerade daran messen, inwiefern der Antisemitismus – sprich: die falsche Stereotypisierung eines vermeintlichen Judentums – überwunden sei. 

Aktuelle Ausgabe August 2020

In der Augustausgabe beleuchtet Masha Gessen die clanartigen Strukturen von Trumps Mafia-Staat. Michael Tomasky sieht den designierten Präsidentschaftskandidaten Joe Biden auf dem Weg nach links – und erkennt bei dem US-Demokraten gar rooseveltsche Ambitionen. Wieslaw Jurczenko analysiert die Ursachen des Wirecard-Desasters und damit das Totalversagen der deutschen Finanzaufsicht. Raul Zelik fordert, die Eigentumsverhältnisse wieder in den Blick zu nehmen, um so den Sozialismusbegriff wiederzubeleben. Und Klaus Vieweg befreit Hegel, der vor knapp 250 Jahren geboren wurde, vom Totalitarismusverdacht.

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