Ausgabe Juni 2014

Die Legende vom griechischen Schummeln

In der letzten Ausgabe der »Blätter« zeichneten David Stuckler und Sanjay Basu ein verheerendes Bild des griechischen Gesundheitssystems. Ihr Beitrag verkenne jedoch die eigentliche Genese der griechischen Krise, meint Griechenland-Experte Niels Kadritzke. 

Will man die gesellschaftlichen Verwerfungen in Griechenland wirklich verstehen, ist die richtige Analyse der griechischen Wirtschaftskrise der letzten fünf Jahre von zentraler Bedeutung. Insofern soll nicht die zutreffende Schilderung der dramatischen Krise des griechischen Gesundheitssystems durch Stuckler und Basu in Frage gestellt werden, wohl aber ihre Skizze der wirtschaftlichen Entwicklung Griechenlands und der historischen Abfolge des Krisengeschehens.

Dieses hat sich vor dem Hintergrund des griechischen Beitritts zur Europäischen Union im Jahr 1981 und zur Eurozone im Jahr 2001 entfaltet. Erstaunlicherweise transportieren die Autoren dabei die Legende, die seit einiger Zeit zum Standardrepertoire des Griechenbashings gehört: Athen habe sich den Beitritt zur Europäischen Währungsunion durch Verschleierung der wahren Staatsverschuldung erschlichen, ja sogar erschummelt. „Die Daten zur griechischen Schuldenlast waren manipuliert worden, um den Anschein zu erwecken, Griechenland erfülle die Kriterien für eine Aufnahme in die Währungsunion“, heißt es bei Stuckler/Basu.

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In der Juni-Ausgabe analysiert die Journalistin Kate Aronoff, wie sich Corona-Pandemie, Verschuldung und Klimawandel im globalen Süden zu einer dreifachen Krise verschränken. Die Ökonomen Emmanuel Saez und Gabriel Zucman zeigen, wie die einst progressive Steuerpolitik der USA durch eine systematische Bevorzugung der Reichen abgelöst wurde. Der Agrarwissenschaftler Knut Ehlers und der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, plädieren für eine radikale Transformation der Landwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit. Und »Blätter«-Redakteur Steffen Vogel ergründet den Zusammenhang zwischen Verschwörungsglaube und Popkultur.

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