Ausgabe Oktober 2014

Der Erste Weltkrieg und die Geburt der sozialen Demokratie

Bild: Wikimedia

In den aktuellen Debatten über den Ersten Weltkrieg firmiert dieser in aller Regel, nach dem bekannten Ausspruch des US-amerikanischen Historikers George F. Kennan, als die „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts. Und in der Tat brachte der Krieg Leid, Gewalt und Tod in bisher ungekanntem Ausmaß über Europa. Aber er führte auch zum Durchbruch der modernen Massendemokratie. Von vielen Demokraten schon lange erstrebt und erkämpft, wurde sie nun Wirklichkeit.

Vor dem Krieg waren Wahlen bereits das Kennzeichen zivilisierter Staaten, doch sie fanden nur unter Männern statt, und in der Regel gab es praktische oder rechtliche Einschränkungen, die etwa nach Steuerklassen, Besitz, Bildung oder Familienstand unterschieden. Der Krieg änderte alles: 1914 erfolgte die Initialzündung der modernen Massendemokratie. 1917 kam mit dem Kriegseintritt der USA der Moment der Kristallisation der westlichen Demokratie (und kurz darauf der Formierung des Gegenprojekts einer bolschewistischen totalitären Demokratie). 1919 war das Jahr ihrer vertraglichen Absicherung und internationalen Institutionalisierung – mit dem Zielhorizont der sozialen Demokratie: So könnte der Prozess der Demokratisierung, der durch den Krieg beschleunigt wurde, in eine zeitliche Abfolge gebracht werden.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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