Ausgabe Oktober 2014

Der Erste Weltkrieg und die Geburt der sozialen Demokratie

Bild: Wikimedia

In den aktuellen Debatten über den Ersten Weltkrieg firmiert dieser in aller Regel, nach dem bekannten Ausspruch des US-amerikanischen Historikers George F. Kennan, als die „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts. Und in der Tat brachte der Krieg Leid, Gewalt und Tod in bisher ungekanntem Ausmaß über Europa. Aber er führte auch zum Durchbruch der modernen Massendemokratie. Von vielen Demokraten schon lange erstrebt und erkämpft, wurde sie nun Wirklichkeit.

Vor dem Krieg waren Wahlen bereits das Kennzeichen zivilisierter Staaten, doch sie fanden nur unter Männern statt, und in der Regel gab es praktische oder rechtliche Einschränkungen, die etwa nach Steuerklassen, Besitz, Bildung oder Familienstand unterschieden. Der Krieg änderte alles: 1914 erfolgte die Initialzündung der modernen Massendemokratie. 1917 kam mit dem Kriegseintritt der USA der Moment der Kristallisation der westlichen Demokratie (und kurz darauf der Formierung des Gegenprojekts einer bolschewistischen totalitären Demokratie). 1919 war das Jahr ihrer vertraglichen Absicherung und internationalen Institutionalisierung – mit dem Zielhorizont der sozialen Demokratie: So könnte der Prozess der Demokratisierung, der durch den Krieg beschleunigt wurde, in eine zeitliche Abfolge gebracht werden.

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema