Ausgabe August 2015

Charlie Hebdo und der Rechtsfrieden

Brauchen wir eine neue Balance zwischen Pressefreiheit und Religionsschutz?

Durch das Attentat auf die Redaktion der Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ zu Beginn dieses Jahres haben die schon länger schwelenden Religionskonflikte eine neue Dimension erlangt. Bereits in den Reaktionen auf die Mohammed-Karikaturen einer dänischen Zeitung vor zehn Jahren hatte sich dies angekündigt. In den Protesten, die daraufhin in mehreren islamischen Staaten ausgebrochen waren, kamen zahlreiche Menschen ums Leben, Botschaftsgebäude wurden in Brand gesetzt, Journalisten eingesperrt, Waren boykottiert. Der Zeichner der Karikaturen ist noch heute Morddrohungen ausgesetzt.

Das Pariser Attentat hat die Gewalt nun auch in ein europäisches Land getragen und zu einem planmäßigen Racheakt an der gesamten Redaktion des Satireblatts geführt, weil dieses sich Religion und Religionsführer zur Zielscheibe seines Spotts gewählt hatte, übrigens keineswegs nur die islamische Religion, sondern auch andere, die christliche eingeschlossen. Dadurch ist auch die Diskussion wieder aufgelebt, ob die neue Dimension der Religionskonflikte nach rechtlichen Reaktionen verlangt, insbesondere nach einer neuen Ausbalancierung des Verhältnisses von Religionsschutz und Pressefreiheit.

Umstritten ist freilich schon, ob überhaupt rechtliche Konsequenzen nötig sind. Viele sehen dafür keinen Grund.

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