Ausgabe Juni 2015

Maduro oder der ewige Chavismus

Der „Chavismus“ wird sich in Venezuela unmöglich noch lange an der Macht halten können. Das behaupten jedenfalls die meinungsführenden Medien. Mit den meterlangen Schlangen vor leeren Supermärkten scheint das Ende der Leidensfähigkeit der Venezolaner endgültig erreicht. Doch hieß es nicht schon nach den oppositionellen Protesten im Februar letzten Jahres, nun sei das Schicksalsjahr des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro gekommen?[1] Oder auch im Jahr 2013, als Maduro nach dem Tod von Hugo Chávez hauchdünn gegen seinen Herausforderer Henrique Capriles Radonski gewann? Und nicht auch schon Ende 2012, als Chávez den Hoffnungsträger Capriles gegen alle Erwartungen doch mit einer komfortablen Mehrheit besiegte? All den Unkenrufen zum Trotz sitzt Maduro offenbar so fest im Sattel, dass er sein Amt bis zur nächsten regulären Präsidentenwahl 2019 ausüben und sogar ein weiteres Mal für die Präsidentschaft kandidieren könnte.

Um die Standfestigkeit der venezolanischen Regierung zu verstehen, lohnt ein Perspektivenwechsel. Die Mainstream-Meinung folgt einer Argumentation, nach der sich die Regierung trotz verschiedener negativer Faktoren an der Macht hält. Der Chavismus regiert trotz der desolaten Wirtschaftslage, trotz der oppositionellen Aktionen und trotz der anti-chavistischen US-Politik.

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