Ausgabe August 2016

Voller Hass und ohne Plan: Ein Land im Schockzustand

Am 16. Juni wurde Jo Cox, die junge Labour-Abgeordnete für Batley and Spen, in West Yorkshire auf offener Straße, vor ihrem Wahlkreisbüro, von einem rechtsradikalen Europahasser angegriffen und ermordet. Für einen Moment schien es, als sei nach dem Schock dieses politischen Mordes der sprichwörtliche britische Bürgersinn und Alltagsverstand wiederhergestellt, als würde die aufgeheizte Stimmung in Großbritannien wieder ein wenig abkühlen.

Doch das war ein Irrtum. Der Wahlkampf wurde eineinhalb Tage lang unterbrochen, dann ging er im gleichen Ton weiter, befeuert mit monströsen Lügen und falschen Versprechen, die die Europafeinde ohne Unterlass in die Welt setzten – dank der Unterstützung der Revolverblätter der Medienmoguln mit Rupert Murdoch an der Spitze. Am 23. Juni stimmten dann 55 Prozent der Wähler im Bezirk Kirklees, zu dem Batley and Spen gehört, für den Austritt aus der EU. Die Brexiteers hatten gewonnen – Jo Cox, die vergeblich versucht hatte, den abgehängten Verlierern in den einst stolzen, jetzt verelendeten Industriestädtchen ihres Wahlkreises klarzumachen, wem sie ihr Elend zu verdanken haben und wem nicht, ist umsonst gestorben.

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