Ausgabe März 2016

Kurzgefasst

Evi Hartmann: Wir Sklavenhalter. Warum die Globalisierung keine Moral kennt, S. 41-49

Sklaverei ist ein Phänomen der Antike. Oder doch nicht? Evi Hartmann, Professorin für Betriebswirtschaftslehre, argumentiert: Jeder westliche Bürger in Zeiten der Globalisierung hält durch seinen Konsum Sklaven. Das ist eigentlich auch allen bewusst. Doch um an der gewohnten Lebensweise nichts ändern zu müssen, werden moralische Skrupel verdrängt. Empathisches Handeln sei gefragt, um der Moral endlich zum Durchbruch zu verhelfen.

Thomas Gebauer: In falscher Sicherheit. Keine Stabilität ohne Menschenrechte, S. 51-60

Sicherheit steht mehr denn je im Fokus internationaler Politik. Dennoch scheint es, als lasse die Sicherheit weltweit immer weiter nach. Thomas Gebauer, Geschäftsführer der Hilfsorganisation medico international, sieht ein zentrales Problem im ausgrenzenden Verständnis von Sicherheit. Sie werde bloß als Schutz der westlichen Bevölkerung und ihres Lebensstils begriffen. Statt einer Versicherheitlichung der Politik in diesem Sinne plädiert er für eine universelle Verwirklichung der Menschenrechte.

Paul Scheffer: Gesucht wird ein neues Wir. Für einen realistischen Humanismus in der Integrationsdebatte, S. 61-71

Die Integrationsdebatte hat sich erheblich verschärft. Wer darf nach Europa im Allgemeinen und nach Deutschland im Speziellen? Und wen können wir wie integrieren? Der Soziologe Paul Scheffer hinterfragt vor diesem Hintergrund die Politik der offenen Grenzen. Er plädiert für einen Ansatz, der sowohl gegenüber den Flüchtlingen als auch gegenüber der eigenen Gesellschaft moralisch vertretbar ist.

Sebastian Dörfler und Julia Fritzsche: Die Verachtung der Armen. Vom Bild des faulen Arbeitslosen zur Figur des »Asylschmarotzers«, S. 73-80

Flüchtlinge sollen möglichst schnell in den Arbeitsmarkt integriert werden. Doch zunächst werden viele von ihnen einen Zwischenhalt im Hartz-IV-System einlegen. Dort erwartet sie die große Disziplinierung, kritisieren die Journalisten Sebastian Dörfler und Julia Fritzsche. Dahinter steht eine ideologische Figur, die seit der Industrialisierung zyklisch wiederkehrt: die Verachtung der Armen.

Micha Brumlik: Das alte Denken der neuen Rechten. Mit Heidegger und Evola gegen die offene Gesellschaft, S. 81-92

Rechtes Denken ist in Europa momentan auf dem Vormarsch, wie der Erfolg von nationalistischen Bewegungen und rechtspopulistischen Parteien zeigt. Doch die neue Rechte steht auf einem Fundament alten Denkens, analysiert Micha Brumlik, Mitherausgeber der „Blätter“. Als zentrales Merkmal sieht er eine Politisierung des Raumes im Rahmen einer „eurasischen“ Ideologie sowie eine Sakralisierung der Politik, also eine Ausrichtung auf das Transzendente.

Rudolf Hickel: Macht und Ohnmacht der EZB. Warum Europa eine gemeinsame Finanz- und Wirtschaftspolitik braucht, S. 93-100

Die Europäische Zentralbank steht vor allem in Deutschland seit langem in der Kritik. Ihre Politik des billigen Geldes schade den Sparern, heißt es. Für populistisch hält „Blätter“-Mitherausgeber Rudolf Hickel diese Vorwürfe. Die EZB versuche zu Recht, eine Deflation abzuwenden. Alleine aber könne sie das nicht schaffen. Vielmehr bedürfe es einer europäischen Finanzpolitik, die Investitionen fördert.

Jürgen Scheffran: Kettenreaktion außer Kontrolle. Vernetzte Technik und die Gefahren der Komplexität, S. 101-110

Unsere Welt und nicht zuletzt die Technik werden immer komplexer. Doch die erhöhte Komplexität hat Auswirkungen auf die Stabilität technischer und sozialer Systeme. Jürgen Scheffran, Professor für Klimawandel und Sicherheit, beschreibt unkontrollierte Kettenreaktionen und daran anschließende Eskalationsdynamiken: Hochtechnisierte Kriege, der Klimawandel und die dadurch ausgelösten Flüchtlingsbewegungen zeugen davon.

Steffen Vogel: Graphic Novels oder Der Siegeszug des Comics, S. 111-120

Comics erfahren seit einiger Zeit eine erhöhte Akzeptanz bis hinein ins Bildungsbürgertum. Entscheidend dazu beigetragen hat die Vermarktung anspruchsvoller Bände als „Graphic Novel“. Es wäre jedoch falsch, hinter diesem Etikett allein eine kommerzielle Strategie zu sehen, so „Blätter“-Redakteur Steffen Vogel. Vielmehr schafft das Label Graphic Novel einen Freiraum für erzählerische und formale Experimente.

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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