Ausgabe Mai 2016

Kurzgefasst

Paul Mason: Nach dem Kapitalismus?! Democracy Lecture 2016, S. 45-59

Die dritte Democracy Lecture der „Blätter“ fand am 5. April 2016 statt, wie immer im Berliner „Haus der Kulturen der Welt“. Redner des Abends vor gut 1200 Gästen war der britische Kapitalismuskritiker Paul Mason. Das Thema seines gleichermaßen engagierten wie optimistischen Vortrags: Vision und konkrete Ausgestaltung einer neuen postkapitalistischen Ära nach dem absehbaren Ende des Kapitalismus.

Für einen radikalen Neuanfang. Paul Mason in der Debatte – mit Friederike Habermann, Frank Rieger und Hans-Jürgen Urban, moderiert von Mathias Greffrath, S. 61-82

Nach dem Vortrag von Paul Mason diskutierten mit ihm über Stärken und Schwächen seines Ansatzes die Degrowth-Aktivistin Friederike Habermann, Frank Rieger vom Chaos Computer Club und Hans-Jürgen Urban, „Blätter“-Mitherausgeber und Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall. Moderiert wurde die Veranstaltung von dem Publizisten Mathias Greffrath.

Wolfgang Kaleck und Miriam Saage-Maaß: Der »Kunde ist König« – auch wenn es Leben kostet. Mit Recht gegen die Macht der globalen Konzerne, S. 83-92

Von KiK bis Boss, die Textilindustrie ist in Verruf gekommen. Denn immer wieder werden ihre Fabrikgebäude zur tödlichen Falle. Der Jurist Wolfgang Kaleck und die Juristin Miriam Saage-Maaß vom European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) plädieren dafür, die Schuldigen für diese Menschenrechtsverbrechen nicht primär in den Entwicklungsländern zu suchen, sondern bei den westlichen Auftraggebern. Nur der Kampf ums Recht vor westlichen Gerichten bietet den Opfern eine Chance, ihre Stimme gegen die Macht der globalen Konzerne zu erheben.

Ulrich Brand: Lateinamerika: Das Ende der linken Epoche?, S. 93-100

Ob Venezuela oder Brasilien, Argentinien oder Bolivien: Über mehr als zwei Jahrzehnte strahlte Lateinamerika im Glanze seiner linken Regierungen. Doch spätestens seit 2015 neigen sich die verschiedenen Erfolgsgeschichten ihrem Ende entgegen. Die neoliberale Rechte formiert sich zum wirtschaftspolitischen Umschwung – und die Linke scheint unfähig, sich neu zu erfinden. Der Politikwissenschaftler und „Blätter“-Mitherausgeber Ulrich Brand analysiert die entscheidenden Fehler der progressiven Regierungen und macht zugleich Vorschläge zu deren Revitalisierung.

Leïla Vignal: Syrien oder Die Strategie der Zerstörung, S. 101-111

Seit gut fünf Jahren herrscht Krieg in Syrien – mit Hunderttausenden von Toten und massiven Zerstörungen in Städten wie Aleppo oder Homs. Letztere sind jedoch nicht lediglich die Kollateralschäden eines brutalen Bürgerkrieges, sondern Teil einer umfassenden Strategie des Assad-Regimes, durch Zerstörung des Landes die Opposition zu schlagen. Die Geographin Leila Vignal analysiert detailliert Ziele, Durchführung und Auswirkungen dieser perfiden Strategie, wie auch die hoffnungslose Unterlegenheit der Bevölkerung – und ihre Unmöglichkeit, dem Krieg zu entkommen.

Norbert Frei: Die Empathie der Nachgeborenen. Wie man die »Last der Vergangenheit« abstreift, S. 112-119

Nach dem Tod des langjährigen Bundesaußenministers Hans-Dietrich Genscher wurden vor allem seine großen politischen Verdienste für die Bundesrepublik gewürdigt. Doch sein Tod steht auch exemplarisch für das Abtreten der letzten Kriegsgeneration, der Flakhelfer und jungen Frontsoldaten. Umso drängender stellt sich die Frage, wie eine Gesellschaft ohne Zeitzeugen zukünftig mit der NS-Geschichte umgehen wird. Der Historiker Norbert Frei diagnostiziert bereits jetzt viel nachgetragene Empathie – nach dem schon längst erteilten Selbstfreispruch der ehemaligen Flakhelfer nun auch durch eine jüngere Generation der Post-68er. Diese neue Nachsichtigkeit dürfe jedoch nicht, so Frei, zu einem Ende des selbstkritischen Umgangs mit der Geschichte des „Dritten Reiches“ führen.

Aktuelle Ausgabe September 2020

In der September-Ausgabe erkennt der Philosoph und »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas im Wiederaufbauplan der EU – 30 Jahre nach der Zäsur von 1989/90 – eine zweite Chance für die innerdeutsche wie auch für die europäische Einheit. Die Literaturwissenschaftlerin Sarah Churchwell beleuchtet die langen Linien des amerikanischen Faschismus – vom Ku-Klux-Klan bis zu Donald Trump. Der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze plädiert angesichts des Handelskriegs zwischen China und den USA für eine neue globale Entspannungspolitik. Und die Islamwissenschaftlerin Alexandra Senfft portraitiert den Kampf der Frauen gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

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