Ausgabe November 2016

Kolumbien: Frieden auf der Kippe

Der Oktober begann in Kolumbien mit einem doppelten Paukenschlag: Erst votierte am 2. Oktober bei einem Referendum eine hauchdünne Mehrheit von 50,2 Prozent gegen das Friedensabkommen, das die Regierung von Präsident Juan Manuel Santos und die linksgerichtete FARC-Guerilla kurz zuvor unterzeichnet hatten. Dann erhielt Santos nur fünf Tage später überraschend den Friedensnobelpreis. Trotz dieser Würdigung durch das Norwegische Komitee ist nun völlig ungewiss, ob der lang ersehnte Friedensschluss umgesetzt wird. Für die extreme Rechte des Landes, die massiv gegen das Abkommen mobilisiert hatte, ist das ein Triumph. Sie sitzt nun plötzlich mit am Verhandlungstisch und will zahlreiche Punkte des erzielten Abkommens streichen.

Damit droht auch der dritte Versuch einer Demobilisierung der FARC seit Beginn des bewaffneten Konflikts Mitte der 1960er Jahre zu scheitern. Eine erste Demobilisierung im Jahr 1985 endete in einem Blutbad: In nur wenigen Tagen wurden damals über 4000 Mitglieder der aus der FARC hervorgegangenen Partei Unión Patriótica ermordet – darunter zwei Präsidentschaftskandidaten, mehrere Bürgermeister und Abgeordnete. Auch ein zweiter Versuch Ende der 1990er Jahre unter Präsident Andrés Pastrana mündete in einem weiteren Jahrzehnt des Blutvergießens.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.