Ausgabe September 2016

Für einen New Deal der Migration

„Wir schaffen das“, verkündete die Bundeskanzlerin vor einem Jahr mit Blick auf Hunderttausende von Flüchtlingen, die in Deutschland Schutz suchten. Doch Angela Merkels sprichwörtlich gewordene Zuversicht sollte sich nicht erfüllen. Ihre zeitweilige Öffnung der Grenzen endete mit einer doppelten Niederlage: dem Aufstieg der AfD und dem Abkommen mit einem immer autoritärer werdenden türkischen Staat. Denn mit dem Türkei-Deal hat Merkel unter dem wachsenden Druck aus dem In- wie Ausland ihren vergleichsweise offenen Kurs wieder aufgegeben. Dies liegt nicht zuletzt an einer fehlenden gesellschaftlichen Verständigung: Den höchst unterschiedlichen Befürwortern von Zuwanderung ist es bis heute nicht gelungen, ihre teils widersprüchlichen Interessen zu einem kohärenten Projekt zu verdichten – und dies nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa.

Das resultiert auch daraus, dass nicht nur politische Beobachter jedweder Couleur, sondern selbst Migrationsforscher von den Ereignissen des Sommers 2015 weitgehend überrascht wurden. Jedoch sind es nicht die Flüchtlingszahlen selbst, mit denen niemand gerechnet hatte: Alle, die sich wissenschaftlich mit Fluchtbewegungen befassen, hatten die kontinuierliche Zunahme der Asylbewerberzahlen registriert und die europäischen Regierungen immer wieder ermahnt, konstruktive Lösungen zu suchen.

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Die Zukunft des Regierens: Projekte statt Koalitionen?

von Albrecht von Lucke

Eigentlich hätte es ein perfekter Start ins neue Jahr für die Grünen sein können: Mit präsidialer Begleitung und stolz geschwellter Brust feierte die Partei ihren 40. Geburtstag und wurde im Hochgefühl ihrer starken Umfrageergebnisse prompt zur neuen Kanzlerschaftsfavoritin geadelt: „Wer besiegt Robert Habeck?“, fragt scheinbar voller Sorgen „Die Welt“.