Ausgabe Mai 2017

Das Proletariat: Vom revolutionären Popanz zum reaktionären Pöbel

In der Januar-Ausgabe skizzierte »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik das neue »reaktionäre Subjekt«, nämlich das einstige Proletariat, auf seinem Weg zum Pöbel. Dagegen wendet sich scharf der Soziologe Ulrich Weigel.

Im November 1847 gab der Bund der Kommunisten bei Karl Marx und Friedrich Engels eine Arbeit in Auftrag, die als Parteiprogramm in theoretischer und praktischer Hinsicht fungieren sollte. Gesucht war ein Pamphlet, das die theoretischen Erkenntnisse auf den Punkt bringt und der revolutionären Bewegung im politischen Kampf den Weg weist. Mit dem im Februar 1848 erschienenen „Kommunistischen Manifest“ ist Marx und Engels dies durchaus geglückt: Das Manifest, in Dutzenden Auflagen gedruckt, wurde zu einem der wichtigsten Parteiprogramme der Weltgeschichte.

Auch heute, rund 170 Jahre nach Erscheinen des Manifests, ist seine Zugkraft noch immer beachtlich. Und doch ist es nunmehr ein Leichtes, das Versagen der Arbeiterklasse als revolutionäres Subjekt zu konstatieren. Ganz offensichtlich blieb der Umsturz der bürgerlichen Verhältnisse durch das Proletariat aus. Auch Micha Brumlik stellt fest, dass es seine als unvermeidlich apostrophierte geschichtliche Mission nicht erfüllt hat.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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