Ausgabe Februar 2018

Kurzgefasst

Albrecht von Lucke: 50 Jahre APO, 5 Jahre AfD: Von der Revolte zur »Konterrevolution«, S. 41-49

50 Jahre nach der Revolte von 1968 tobt erneut ein Kulturkampf. Dieses Mal sind jedoch die Rechten auf dem Vormarsch. „Blätter“-Redakteur Albrecht von Lucke erkennt in der AfD den deutschen Vertreter einer globalen „konservativen Revolution“. Statt pluralistischer Demokratie und Emanzipation sind identitärer Autoritarismus und homogene Gemeinschaften die Leitbilder der Anti-68er.

Matthias Falter: Die rechtsextreme Mitte. Österreich und die »Normalisierung« des Rechtsradikalismus, S. 50-56

Beinahe geräuschlos vollzog sich der Regierungseintritt der rechten FPÖ in Österreich an der Seite der konservativen ÖVP. Die fortschreitende Normalisierung der Rechten wurzelt für den Politikwissenschaftler Matthias Falter in der fehlenden Vergangenheitsbewältigung in der Nachkriegszeit, aber auch in der nicht abreißenden Debatte über Migration. Der Erfolg der Rechten aber setzt die Stabilität der pluralistischen Demokratie aufs Spiel.

Ludger Volmer: Jenseits von rechts und links: Die Grünen im Niemandsland, S. 57-66

Seit dem Scheitern der Jamaika-Verhandlungen stehen die Grünen vor einem schwierigen Neuanfang. Für den Grünen-Politiker Ludger Volmer liegen die Gründe für die aktuellen Herausforderungen aber bereits in der Nachwendezeit. Schritt für Schritt hat sich die Partei von ihrem sozialökologischen Gründungsanspruch verabschiedet und zu einer Funktionspartei der Mitte entwickelt.

Hans Kundnani: Die verkaufte Wahl. Trump, Brexit und der nationale Neoliberalismus, S. 67-72

Vor allem die Verlierer des Neoliberalismus haben US-Präsident Donald Trump ins Amt gewählt oder für den Brexit gestimmt. Doch zu einer Abkehr von dieser Doktrin hat dies nicht geführt. Vielmehr, so der Politikwissenschaftler Hans Kundnani, verfolgen die Regierungen der Vereinigten Staaten und Großbritanniens nun eine Politik des „nationalen Neoliberalismus“ – eine teilweise Abkehr von der Globalisierung zugunsten des nationalen Kapitals.

Paul Mason: Zerschlagt die digitalen Monopole!, S. 73-82

Die technologische Revolution führt zu immer mehr prekären Jobs. Dennoch sollte die Linke die Digitalisierung nicht verdammen, so der Publizist Paul Mason, bietet sie doch die Chance auf eine postkapitalistische Gesellschaftsordnung. Dafür aber benötigt die Linke ein neues Narrativ. 

Mohssen Massarrat: Weniger Profite, besseres Leben. Mit radikaler Arbeitszeitverkürzung gegen den Finanzmarktkapitalismus, S. 83-90

Seit die IG Metall eine 28-Stunden-Woche fordert, ist die Arbeitszeitverkürzung wieder im Gespräch. Für den Politikwissenschaftler Mohssen Massarrat ist dies der Schlüssel, Niedriglöhne, die gewollte Massenarbeitslosigkeit und am Ende gar den Finanzkapitalismus zu überwinden.

Christa Wichterich: Der prekäre Care-Kapitalismus. Sorgeextraktivismus oder die neue globale Ausbeutung, S. 91-97

Ärzte, Kindergärtnerinnen und Pflegepersonal werden für die europäischen Gesellschaften immer wichtiger. Doch diese Sorgearbeit verrichten zunehmend Frauen aus dem globalen Süden – für wenig Anerkennung und Lohn. Die Soziologin Christa Wichterich zeigt, wie Arbeitende in der Care-Ökonomie einer gnadenlosen Marktlogik unterworfen sind.

Dieter Lehmkuhl: Gewinn vor Gesundheit. Das fatale Geschäft der Pharmaindustrie, S. 99-107

Die Pharmaindustrie erzielt mit ihren Patenten traumhafte Renditen, doch die hohen Kosten für die vielen neuen, oftmals nicht einmal hilfreichen Medikamente trägt die Gesellschaft. Der Mediziner Dieter Lehmkuhl analysiert die fragwürdigen Methoden, mit denen die Unternehmen ihre Monopolstellung verteidigen.

Wolfgang Ullrich: Gefährliche Schönheit: Die Ästhetik der Überwältigung, S. 109-120

Schönheit kann integrative Kraft der Verständigung oder totale Überwältigung sein, durch die der Einzelne in der Gemeinschaft aufgeht. Derzeit setzen rechte wie auch linke Aktivisten auf Überwältigung, so der Kulturwissenschaftler Wolfgang Ullrich. Sie praktizieren damit eine überaus riskante Ästhetik der Abgrenzung.

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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