Ausgabe März 2018

Kurzgefasst

Yanis Varoufakis: In der Schlinge der Globalisierung: Für einen neuen Internationalismus, S. 41-47

Lange war Globalisierung das große Heilsversprechen. Doch gegenwärtig erstarkt eine Kritik, die den Rückzug hinter nationale Grenzen fordert. Das aber wird die Probleme der Weltwirtschaft nicht lösen, so der griechische Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis. Nur ein neuer Internationalismus kann die Ungleichheit bekämpfen – und so die Nationalisten schwächen.

Rudolf Walther: Wie viel Marx steckt im Marxismus? Zum 200. Geburtstag einer Jahrhundertgestalt, S. 49-57

Zum 200. Geburtstag von Karl Marx am 5. Mai geht die Diskussion über die Aktualität seines gewaltigen Werkes in eine neue Runde. Aus diesem lässt sich jedoch keineswegs eine geschlossene Weltanschauung destillieren, so der Publizist Rudolf Walther. Was von den Marxisten aus Marx‘ Schriften gemacht wurde, stehe oft im Widerspruch zu dessen Leben und Wirken.

Nina Power: Der verführte Feminismus, S. 59-68

Die feministische Forderung nach einem besseren Zugang von Frauen zur Lohnarbeit ist weitgehend verwirklicht. Doch sind Frauen deswegen heute wirklich emanzipiert? Nein, meint die Philosophin Nina Power: Durch die „Feminisierung“ der Arbeit hat sich die Ausbeutung speziell von Frauen sogar noch verschärft. Um befreiend zu wirken, muss sich der Feminismus daher auf seine Wurzeln besinnen – und die Klassenfrage neu stellen.

Thomas Thiemeyer: Die Provinzialisierung der Heimat, S. 69-78

Seit Horst Seehofer zum neuen Bundesheimatminister berufen wurde, ist „Heimat“ nicht nur in aller Munde, sondern ein Politikum. Der Kulturwissenschaftler Thomas Thiemeyer zeichnet die wechselhafte Geschichte des Begriffes nach. Sein Plädoyer: Mit Heimat als einem „Moderationsbegriff“ lassen sich Ängste vor Veränderungen in der Lebenswelt kontrollieren.

Étienne Balibar: Revolutionieren wir Europa, um es zu bewahren, S. 79-87

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will Europa erneuern, um es so aus seiner Dauerkrise zu befreien. Seine Vorschläge gehen allerdings nicht weit genug, kritisiert der Philosoph Étienne Balibar. Um die EU zu bewahren, muss man sie radikal neu gründen. Dafür komme es darauf an, die wachsende Kluft zwischen Regierenden und Regierten zu überwinden.

Barbara Lochbihler: Der EU-Türkei-Deal als Menetekel. Die Abschaffung des europäischen Asylrechts, S. 89-95

Angela Merkel gilt oft als Verfechterin einer liberalen Flüchtlingspolitik. Dabei setzt die Bundesregierung mit dem EU-Türkei-Deal längst auf Abschottung und die Auslagerung des Flüchtlingsschutzes auf vermeintlich sichere Drittstaaten. Mit der Reform des europäischen Asylsystems droht diese Praxis zur Regel zu werden, warnt die grüne EU-Abgeordnete Barbara Lochbihler. Damit aber werfe die EU ihre humanistischen Grundwerte endgültig über Bord.

Dierk Hirschel: Das Elend der SPD und der Mythos vom ohnmächtigen Nationalstaat, S. 97-102

Lange schon heißt es, nicht zuletzt in der SPD, der nationale Sozialstaat habe ausgedient und könne ob der Globalisierung kaum noch zur wirtschaftlichen Prosperität beitragen. Das aber ist ein Mythos, so der Verdi-Ökonom Dierk Hirschel. Vielmehr haben nationale Regierungen noch immer in allen Bereichen einen großen Spielraum – sie müssen ihn nur nutzen wollen. 

Hans-Jürgen Urban: Kampf um die Hegemonie: Gewerkschaften und die Neue Rechte, S. 103-112

Jahrzehntelang waren Gewerkschaften eine Bastion linker Überzeugungen. Doch mit dem Aufkommen der AfD tritt auch in ihnen rechtes Denken offen zutage. Hans-Jürgen Urban, IG-Metall-Vorstand und Mitherausgeber der „Blätter“, analysiert den neuen Kampf um die Hegemonie und fordert dagegen eine neue Strategie der Inklusion auf allen Ebenen.

Harald Schumann: Beenden wir das Rattenrennen! Was kritischer Journalismus heute bedeutet, S. 113-120

Die Medien gelten als vierte Gewalt im Staat. Doch dieser demokratische Anspruch entpuppt sich zunehmend als Illusion. Der Journalist Harald Schumann analysiert die Mechanismen, die dem kritischen Journalismus zuwiderlaufen. Sein Plädoyer: Nur wenn die Medienschaffenden miteinander kooperieren, können sie ihrem aufklärerischen Anspruch in Zukunft gerecht werden.

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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