Ausgabe Januar 2020

Kurzgefasst

Alexander Hurst: Nach Trump: Aussichten auf den Bürgerkrieg, S. 37-45

Donald Trump wird für seine plumpen Hasstiraden in den sozialen Netzwerken zuweilen belächelt. Unter seinen Anhängern gibt es jedoch nicht wenige, die diese Androhungen durchaus wörtlich nehmen und vor Gewalt nicht zurückschrecken, warnt der Journalist Alexander Hurst. Die USA blicken auf eine lange und unheilvolle Geschichte der Bürgerwehren zurück. Bei einer Amtsenthebung oder Abwahl Trumps könnte aus den aktuellen Drohungen schnell wieder bitterer Ernst werden.

Arundhati Roy: Das Ende des indischen Traums. Kaschmir und die Hunde des Krieges, S. 47-58

Indien lebte stets von seiner Vielfalt und seinen Gegensätzen. Doch seit der Wahl von Narendra Modi zum Premierminister droht sich das zu ändern, schreibt die indische Schriftstellerin Arundhati Roy. Denn Modi kämpft für eine Vorherrschaft der Hindus. Die militärische Okkupation der Region Kaschmir sowie vielfache autoritäre und gewalttätige Unterwerfung von Bevölkerungsgruppen könnten daher der Anfang vom Ende des indischen Traums sein.

Julia Schweers: Alte Macht, junge Revolte: Afrikas dritte Protestwelle, S. 59-64

Grenzüberschreitend stellen Jugendliche den Großteil der afrikanischen Bevölkerung. Allerdings sehen sie sich weder politisch repräsentiert, noch in der Lage, wirtschaftlich aufzusteigen, so »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers. Ihr Drang nach Wandel und besseren Perspektiven treibt sie zunehmend auf die Straße. Noch ist aber offen, in welche Richtung sich der Protest entwickelt: Demokratie oder fundamentalistische Regression.

Mathias Greffrath: Im Zeitalter der Verwüstung. Vom notwendigen Ende einer Epoche, S. 65-73

Nie wurde so deutlich wie 2019, dass die Menschheit durch den Klimawandel vor einem epochalen Umbruch steht. Überkommene Ideen von individueller Freiheit und wirtschaftlichem Wachstum werden fundamental in Frage gestellt, so der Soziologe Mathias Greffrath. Das ruft massive Ablehnung hervor. Doch der Verfall der Wachstumsordnung birgt auch Hoffnung auf etwas Neues.

Reinhard Olschanski: 40 Jahre Grüne: Ökologie als Menschheitsthema und Machtfaktor, S. 74-85

Lange Zeit galten die Grünen als Nischenpartei. Heute, 40 Jahre nach ihrer Gründung, trägt die enorme Relevanz des Menschheitsthemas Ökologie die Partei in die Mitte der Gesellschaft, so der Philosoph Reinhard Olschanski. Das macht sie auf absehbare Zeit zur prägenden Reformkraft.

Ulrike Herrmann: Mythos Erhard: Die Legende vom deutschen Wirtschaftswunder, S. 86-99

Ludwig Erhard gilt als Vater des Wirtschaftswunders. Allerdings ist der damalige Aufschwung nicht auf ihn zurückzuführen, sondern auf die weitsichtige Wirtschaftspolitik der Alliierten, wie die Journalistin Ulrike Herrmann zeigt. Tatsächlich führte Erhards Politik des freien Marktes vielmehr zu verschärfter sozialer Ungleichheit.

Evgeny Morozov: Digitaler Sozialismus. Wie wir die Sozialdemokratie ins 21. Jahrhundert holen, S. 100-106

Als Erfolgsrezept der Sozialdemokratie gilt meist ihr Eintreten für soziale Gerechtigkeit. Doch das greift zu kurz, so der Journalist Evgeny Morozov: Sie entwickelte wichtige institutionelle Innovationen – zu denen ihr heute oft die Ideen fehlen. Er plädiert für eine digitale Infrastruktur in öffentlicher Hand als Strategie für die Sozialdemokratie des 21. Jahrhunderts.

Jens Becker und Achim Engelberg: Im Fadenkreuz der Großmächte. Der Balkan und die Krisen der EU, S. 107-113

Der Balkan ist ein blinder Fleck in der europäischen Debatte. Zugleich versuchen dort Großmächte wie China und Russland Fuß zu fassen. Der Politikwissenschaftler Jens Becker und der Publizist Achim Engelberg analysieren die Konflikte in der Region – und warnen vor europäischer Ignoranz.

Micha Brumlik: Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR?, S. 114-120

Die DDR war ihrem Selbstverständnis nach ein antifaschistischer Staat. Doch auch dort waren antisemitische und rassistische Vorfälle an der Tagesordnung. Der verkürzte Antikapitalismus der DDR-Führung, so „Blätter“-Mitherausgeber Micha Brumlik, leistete einer Form des Antisemitismus Vorschub, der sich bis heute in Ostdeutschland zeigt.

Aktuelle Ausgabe Juli 2020

In der Juli-Ausgabe beleuchten der Historiker Ibram X. Kendi und die Soziologin Keeanga-Yamahtta Taylor die lange Tradition rassistischer Gewalt in den USA – und zeigen Wege aus dem amerikanischen Albtraum auf. Der Soziologe Gary Younge und der Journalist Marvin Oppong richten den Blick auf den Rassismus und die Polizeigewalt in Europa. Der Journalist Michael Pollan legt die brutale Effizienz der Lebensmittelindustrie offen – die uns alle buchstäblich krank macht. Und »Blätter«-Redakteur Albrecht von Lucke analysiert den steilen Aufstieg Markus Söders inmitten der Coronakrise - und dessen Chancen, nächster Bundeskanzler zu werden.

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