Ausgabe Juni 2020

Kurzgefasst

Kate Aronoff: Corona, Klima, Schulden: Die dreifache Krise des globalen Südens, S. 51-56

Die Coronakrise wird weltweit zu einem massiven wirtschaftlichen Einbruch führen. Gerade die Länder des globalen Südens trifft es dabei aber besonders hart, so die Journalistin Kate Aronoff. Denn diese litten schon zuvor unter enormen Schuldenbergen. Zudem wird gerade sie der Klimawandel besonders teuer zu stehen kommen. Daher bedarf es jetzt einer radikalen Umschuldung.

Emmanuel Saez und Gabriel Zucman: Wie die Ungerechtigkeit triumphierte, S. 57-69

Einst verfügten die USA über eines der progressivsten Steuersysteme der Welt. Doch seit den 1980er Jahren haben neoliberale Reformen und politisch geduldete Steuervermeidung die Reichen zunehmend aus der Verantwortung entlassen, so die Ökonomen Emmanuel Saez und Gabriel Zucman. Damit aber wächst die Ungleichheit in der Gesellschaft – und mit ihr die Unzufriedenheit mit dem politischen System.

Joris Steg: Normale Anomalie. Die Coronakrise als Zäsur und Chance, S. 71-79

Die Coronakrise ist eine neu- und einzigartige Krise. Sie jedoch als „neue Normalität“ aufzufassen, ist begriffslogisch Unsinn, kritisiert der Soziologe Joris Steg. Passender lässt sich die Coronakrise als „normale Anomalie“ interpretieren – und damit zugleich als Chance für eine sozial-ökologische Transformation und den Bruch mit den Bewegungsgesetzen der neoliberalen kapitalistischen Ökonomie. Diese Gelegenheit – ein weiteres Mal – nicht wahrzunehmen, wäre fatal.

Steffen Vogel: Apokalypse und Antihumanismus: Von der Popkultur zum Verschwörungsmythos, S. 80-86

In vielen deutschen Städten demonstrieren derzeit Verschwörungsgläubige gegen die Corona-Maßnahmen. Ihre oft apokalyptische Weltsicht hat jedoch einen popkulturellen Vorlauf, so „Blätter“-Redakteur Steffen Vogel. Seit Jahren nehmen in populären Erzählungen die Untergangsszenarien zu. Und nicht selten enthalten diese eine antihumanistische Stoßrichtung, die einer apokalyptischen, verschwörungsideologischen Weltsicht Vorschub leistet.

Andreas Fisahn: Karlsruhe vs. EZB: Warum wir neue EU-Verträge brauchen, S. 87-92

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Anleihekäufen der EZB hat gewaltige Kritik hervorgerufen, aus juristischen, aber vor allem politischen und ökonomischen Gründen. Andreas Fisahn, Professor für öffentliches Recht in Bielefeld, verteidigt die rechtliche Qualität des Urteils und analysiert das eigentliche Problem – die veralteten EU-Verträge und die fehlende Finanz- und Wirtschaftsverfassung der EU.

Knut Ehlers und Dirk Messner: Gegen Dürre und Überdüngung: Landwirtschaft neu denken, S. 93-102

Die Landwirtschaft ist sowohl Verursacherin als auch Betroffene des Klimawandels. Höchste Zeit also, sie grundlegend zu transformieren, so die Forderung des Agrarwissenschaftlers Knut Ehlers und des Präsidenten des Umweltbundesamtes, Dirk Messner. Um noch in der laufenden Dekade die Rahmenbedingungen der Agrarwirtschaft radikal neu zu definieren und dabei ökologisch nachhaltige Lösungen zu finden, sind nicht nur der Handel und die Politik, sondern auch die Konsumenten gefordert.

Paul Hockenos: Vom Geheimdienst zur Polit-Mafia: Rumänien und der lange Schatten der Securitate, S. 103-114

Im Dezember 1989 beendete eine blutige Revolte die brutale Diktatur von Nicolae Ceaușescu. Heute, dreißig Jahre später, wird in Rumänien noch immer erbittert über die jüngste Vergangenheit gestritten. Der Journalist Paul Hockenos zeichnet die Ereignisse von damals nach und stellt fest: Trotz des Übergangs zur Demokratie ist die Macht des „Securitate“-Netzwerks, des berüchtigten Geheimdienstes aus Diktaturzeiten, noch immer ungebrochen – und das Gedenken an jene, die in der Revolution ihr Leben ließen, wurde nie so sehr missbraucht.

Ingo Arend: Deutschland reinwaschen. Die documenta und der Mythos von der kulturellen Stunde Null, S. 115-120

Lange galt die Kasseler Kunstschau documenta als gelungener kultureller Beitrag zur westdeutschen Vergangenheitsbewältigung. Doch neue Erkenntnisse lassen dieses idealisierte Bild zunehmend fragwürdig erscheinen, so der Kulturjournalist Ingo Arend. Denn führende Planer verschwiegen ihre NS-Vergangenheit und nutzten die Schau nicht zuletzt zur Reinwaschung der Bundesrepublik.

Aktuelle Ausgabe Juli 2020

In der Juli-Ausgabe beleuchten der Historiker Ibram X. Kendi und die Soziologin Keeanga-Yamahtta Taylor die lange Tradition rassistischer Gewalt in den USA – und zeigen Wege aus dem amerikanischen Albtraum auf. Der Soziologe Gary Younge und der Journalist Marvin Oppong richten den Blick auf den Rassismus und die Polizeigewalt in Europa. Der Journalist Michael Pollan legt die brutale Effizienz der Lebensmittelindustrie offen – die uns alle buchstäblich krank macht. Und »Blätter«-Redakteur Albrecht von Lucke analysiert den steilen Aufstieg Markus Söders inmitten der Coronakrise - und dessen Chancen, nächster Bundeskanzler zu werden.

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