Ausgabe Februar 2021

Kurzgefasst Februar 2021

Sighard Neckel: Im Angesicht der Katastrophe. Der nahende Zusammenbruch des Erdsystems und die sozial-ökologische Transformation, S. 51-58

Die Coronakrise ist nur der vorläufige Höhepunkt der herrschenden Krisenkaskade. Und sie ist zudem weit mehr als eine Naturkatastrophe, nämlich Ausdruck eines historischen globalen Umbruchs. Der Soziologe Sighard Neckel beschreibt die Ursachen und möglichen Reaktionen auf den drohenden Zusammenbruch des Erdsystems – zwischen wirtschaftsliberaler Modernisierung und autoritär-diktatorischer Kontrolle.

Timothy Snyder: Nach dem Putsch ist vor dem Putsch. Trumps große Lüge und der drohende Faschismus, S. 59-69

Die Besetzung des US-Kapitols durch Trump-Anhänger hat weltweit für Entsetzen gesorgt. Doch selbst nach der Vereidigung von Joe Biden zum 46. Präsidenten ist die Gefahr für die Demokratie noch nicht gebannt, warnt der Historiker Timothy Snyder. Donald Trumps große Lüge vom Wahlbetrug könnte das politische Klima in den Vereinigten Staaten nachhaltig vergiften – und einer regelrecht faschistischen Koalition aus rechtem Mob und republikanischen Politikern den Weg ebnen.

Michael Sandel: Wer reich und mächtig ist, ist gut. Die Tyrannei der Leistung und die Politik der Demütigung, S. 71-80

Was man besitzt und beruflich verdient, ist auch moralisch verdient. So lautet die herrschende westlich-kapitalistische Ethik. Der Philosoph Michael Sandel zeigt auf, wie Erfolg zu einem Ausdruck der Tugendhaftigkeit gemacht wird. Und dass das Gleiche auch in der Politik gilt: Welche Nation reich und mächtig ist, muss auch gut sein – und dazu auserwählt, zu führen.

Sven Hilbig: Alle gegen China? Multilaterale Handelspolitik in der Post-Trump-Ära, S. 85-94

Nach dem Ende der kurzen Trump-Ära hoffen viele auf eine Renaissance des Welthandels und der WTO. Doch zugleich entwickelt sich eine neue Dualität zwischen den Vereinigten Staaten und China. Der Jurist Sven Hilbig analysiert die langen Linien dieser Dualität, die keineswegs erst seit Trump existiert. Dabei drohen vor allem die Themen Umwelt und Entwicklung unter die Räder zu kommen.

Dominik Piétron und Philipp Staab: EU gegen Big Tech: Das Ende der Gesetzlosigkeit?, S. 95-101

Konzerne wie Google, Amazon oder Facebook haben in den vergangenen zwanzig Jahren die zentralen Infrastrukturen unserer digitalen Gesellschaft in Besitz genommen. Dagegen hat der europäische Gesetzgeber, nach Jahrzehnten des Wegsehens, nun endlich eine spezielle Verordnung auf den Weg gebracht: das Digital Service Package. Aus Sicht der Politikwissenschaftler Dominik Piétron und Philipp Staab könnte die Verordnung tatsächlich die langersehnte Kehrtwende einleiten – auch wenn sie derzeit noch etliche Leerstellen und Unstimmigkeiten aufweist.

Hans-Jürgen Urban: Heilsversprechen Homeoffice. Zu den Schattenseiten eines arbeitspolitischen Shootingstars, S. 103-113

Seit Beginn der Coronapandemie gewinnt das Homeoffice an Bedeutung – nicht nur als Instrument zur Eindämmung des Infektionsgeschehens. Vielmehr ist es zum Synonym guter Arbeit im postindustriellen Kapitalismus avanciert. Dabei birgt das Homeoffice erhebliche Schattenseiten, warnt IG-Metall-Vorstand und „Blätter“-Mitherausgeber Hans-Jürgen Urban. Um das Arbeiten von zu Hause im Sinne der Beschäftigten zu gestalten, gelte es, den Rationalisierungsdruck der Kapitalseite wirksam zu kontern.

Marlene Militz: Vorwärts in die Vergangenheit. Das Berliner Schloss als Restaurationskulisse, S. 114-120

Die Rekonstruktion des ehemaligen Hohenzollernschlosses in der Mitte Berlins ist nach sieben Jahren Bauzeit abgeschlossen. Die Debatte um den Wiederaufbau ist damit jedoch keineswegs zu Ende, prognostiziert die Kulturwissenschaftlerin Marlene Militz. Denn das Bauprojekt knüpfe allzu unkritisch an preußische Traditionen an und befördere damit einen „restaurativen Charakter der Gesellschaft“. Geschichte lasse sich aber nun einmal nicht rückgängig machen – erst recht nicht mit Hilfe barocker Schlossfassaden.

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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