Ausgabe September 2021

Kurzgefasst

Bernd Greiner: »Nine Eleven«, Afghanistan, Irak: Das Ende des amerikanischen Jahrhunderts, S. 43-52

Die dramatischen Bilder des Abzugs der USA und ihrer Verbündeten aus Afghanistan belegen vor allem eines: Zwanzig Jahre nach dem 11. September 2001 ist nicht nur der War on Terror gescheitert, sondern geht auch das amerikanische Jahrhundert zu Ende, so der Historiker Bernd Greiner. Anstatt dies anzuerkennen, hält auch US-Präsident Joe Biden am hegemonialen Anspruch seines Landes fest – und verspielt damit die Chance auf eine kooperative Weltordnung.

Roberto Esposito: Alle oder keiner. Warum wir von der nationalen Immunität zur globalen Kommunität gelangen müssen, S. 53-63

Trotz aller nationalen Anstrengungen zur Bekämpfung des Coronavirus wird in der Pandemie immer deutlicher: Kein Teil der Welt kann sich allein aus der Schlinge ziehen. Die globale Bekämpfung des Virus ist das Gebot der Stunde, analysiert der Philosoph Roberto Esposito. Erst wenn die Weltgemeinschaft vollständig immunisiert ist, sind wir wirklich sicher.

Jürgen Habermas: Corona und der Schutz des Lebens. Zur Grundrechtsdebatte in der pandemischen Ausnahmesituation, S. 65-78

Die deutsche Diskussion über den richtigen Kurs der Pandemiebekämpfung wird durch die scharfe Kontroverse zwischen den Verteidigern strikter Vorbeugungsmaßnahmen und den Fürsprechern eines libertären Öffnungskurses beherrscht, so »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas. Tatsächlich darf der demokratische Rechtsstaat in der pandemischen Ausnahmesituation die Solidarität seiner Bürger erzwingen. Mehr noch: Er hat eine Pflicht zum Lebensschutz seiner Bürger.

Naomi Klein: Unser Sommer des Feuers und der Fluten. Die Klimakatastrophe und das Ende unserer Sicherheitsillusion, S. 79-84

Lange wähnte sich der globale Norden sicher vor den Folgen des menschengemachten Klimawandels. Doch spätestens seit den verheerenden Bränden und Fluten dieses Sommers entpuppt sich dieser Glaube als Illusion, so die Autorin Naomi Klein. Denn nun reift auch in den reichen Ländern allmählich die bittere Erkenntnis, dass bei einer ungebremsten Erwärmung des Planeten kein Ort sicher sein wird.

Michael Müller, Jörg Sommer: Die Sturzflut als Exempel. Wie wir endlich vom Wissen zum Handeln kommen, S. 85-92

Die Flutkatastrophe offenbart einmal mehr die klimapolitische Untätigkeit der Bundesregierung. Doch die Kluft zwischen Wissen und Handeln zieht sich schon seit Jahrzehnten durch globale wie nationale Klimapolitik, so die Umweltschützer Michael Müller und Jörg Sommer. Damit es in Zukunft nicht zu Klimakriegen kommt, sind fundamental neuartige Konzepte nötig.

Michael E. Mann: Anpassung ist nicht genug. Gegen die Propaganda von der technischen Beherrschbarkeit der Klimakrise (Teil II), S. 93-98

Technische Lösungen zur Beherrschbarkeit der Klimakrise stehen hoch im Kurs. Doch sie verschleiern das eigentliche Problem: die Verbrennung fossiler Energieträger, warnt der Klimawissenschaftler Michael E. Mann. Echte Lösungen wird es nur ohne die fossile Industrie geben.

Manfred Quiring: Putins Staatsräson: Der Feind steht im Westen, S. 99-104

Vor der Dumawahl im September verschärft die russische Führung ihren autoritären Kurs gegenüber Oppositionellen und westlichen Einflüssen. Damit aber setzt sie um, was die jüngst von Präsident Wladimir Putin unterzeichnete neue Sicherheitsdoktrin fordert, so der Journalist Manfred Quiring. Diese erhebt das Feindbild des Westens zur Staatsräson.

Timo Daum: Das rote Silicon Valley: Chinas digitaler Realsozialismus, S. 105-112

Die KP Chinas hält weiter an der zentralen Steuerung der Wirtschaft mittels Fünfjahresplänen fest. Zugleich jedoch fördert sie einen privatwirtschaftlichen Digitalsektor, so der Physiker Timo Daum. Ob sie diese Gegensätze dauerhaft vereinbaren kann, bleibt eine offene Frage.

Nicole Mayer-Ahuja, Oliver Nachtwey: Leistung, die sich nicht lohnt. Wie Arbeit in der Kohl-Schröder-Merkel-Ära entwertet wurde, S. 113-120

In der Pandemie offenbarte sich auf schonungslose Weise, wie gering systemrelevante Arbeit entlohnt wird. Das aber ist nicht allein Ergebnis von 16 Jahren Angela Merkel, sondern Ausdruck einer längerfristigen Entwicklung, so die Soziolog*innen Nicole Mayer-Ahuja und Oliver Nachtwey. Dem gelte es, wirtschaftliche Bürgerrechte entgegenzusetzen.

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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