Ausgabe April 2023

Kurzgefasst

Sighard Neckel: Zerstörerischer Reichtum. Wie eine globale Verschmutzerelite das Klima ruiniert, S. 47-56

Überall auf der Welt zerstört der Klimawandel unsere planetarischen Lebensgrundlagen – davon werden auch die am meisten Privilegierten nicht verschont bleiben. Dabei sind die Superreichen selbst zu einem der Haupttreiber der Klimakrise avanciert, warnt der Soziologe Sighard Neckel. Sein Fazit: Ohne eine tiefgreifende Umverteilung des Reichtums kann es keine wirksame Dekarbonisierung geben.

Meron Mendel: Israels Sicherheit als deutsche Staatsraison: Was ist das Postulat wert? S. 57-63

Die besondere Schutzverantwortung Deutschlands gegenüber Israel ist parteiübergreifender Konsens und es scheint, als wäre sie schon immer deutsche Staatsraison. Der Historiker Meron Mendel zeigt, wie berechnend die Bundesrepublik unter Konrad Adenauer erste Verbindungen zu Israel aufnahm und welche Verharmlosungen die heutige Staatsraison impliziert. In Anbetracht des demokratischen Zerfalls in Israel fordert er daher, die deutsche Israel-Politik zu überprüfen.

Eva Illouz: Politik mit der Abscheu. Die neue israelische Rechte und die geschürte Angst vor Verunreinigung, S. 65-72

Seit vergangenem Dezember ist in Israel ein Bündnis extrem rechter Parteien an der Regierung Netanjahus beteiligt, das lautstark all jene attackiert, die die vermeintliche „Reinheit“ des jüdischen Volkes bedrohen. Die ideologischen Wurzeln dieser Parteien aber reichen tief in die Vergangenheit, wie die Soziologin Eva Illouz aufzeigt. Schon seit Jahrzehnten suchten „Abscheu-Unternehmer“, die liberale Moral des Landes zu untergraben.

Steffen Vogel: Gezwungen zur Abschreckung: Das neue Gesicht Europas, S. 73-80

In ihrer Reaktion auf den russischen Angriffskrieg zeigen sich die EU-Staaten bemerkenswert einig. Doch gerade mit Blick auf die nähere Zukunft treten verstärkt Differenzen zu Tage, so „Blätter“-Redakteur Steffen Vogel: Muss Russland in der Ukraine verlieren? Soll der Frieden in Europa mit oder gegen Moskau gesichert werden? Fest steht: Der imperialistische Charakter des russischen Regimes legt der Friedensmacht Europa einen Zwang zur Abschreckung auf und verändert damit das Gesicht des Kontinents.

Daniel Cohn-Bendit und Claus Leggewie: Ökologie und Frieden: Was heißt heute Pazifismus?, S. 81-86

Der einstige Zusammenschluss zwischen Umwelt- und Friedensbewegung scheint spätestens seit dem Ukrainekrieg auseinanderzudriften. Dabei bedürfe es gerade jetzt eines neues Bündnisses der Bewegungen, so Grünen-Mitgründer Daniel Cohn-Bendit und „Blätter“-Mitherausgeber Claus Leggewie. Nur so lasse sich die sozial-ökolgischen Transformation erreichen.

Wolfgang Zellner: Frieden in der Ukraine: Der lange Weg zu Verhandlungen, S. 87-96

Während die einen Verhandlungen zu jeder Bedingung fordern, glauben andere, dass allein die Ukraine das Kriegsende bestimmen solle. Mit Verweis auf das Minsker Abkommen erläutert der Friedensforscher Wolfgang Zellner, wie schwierig der Weg zu einem nachhaltigen Frieden sein wird. Er plädiert für ein umfangreiches Abkommen, das Sicherheits-, Wirtschafts- und territoriale Fragen sowie ein stetiges Monitoring umfasst.

Paul Schäfer: Die Johnson-Legende. Wie der Westen angeblich einen Friedensvertrag verhinderte, S. 97-106

Hat der Westen, in Form des damaligen britischen Premiers Boris Johnson, im April 2022 einen unterschriftsreifen Friedensvertrag zwischen der Ukraine und Russland sabotiert? Der Soziologe Paul Schäfer geht dieser sich hartnäckig haltenden Theorie nach und räumt dabei mit einigen Mythen rund um die Friedensverhandlungen zu Beginn des Krieges auf.

Hans-Jürgen Burchardt: Lateinamerika: Rohstoffausbeutung in grün?, S. 107-114

Erstmals werden die fünf größten Volkswirtschaften Lateinamerikas von progressiven Staatsoberhäuptern regiert. Die aktuelle Weltlage und ein sich abzeichnender Rohstoffboom bieten der Region die Chance auf eine sozial-ökologische Transformation. Der Politologe Hans-Jürgen Burchardt zeigt, wie dieser „grüne Extraktivismus“ gelingen kann.

Andreas Frank und Markus Zydra: Geldwäsche leicht gemacht. Das Versagen der deutschen Finanzkontrollbehörden, S. 115-124

Nicht erst seit dem Wirecard-Skandal steht die deutsche Finanzaufsicht in der Kritik. Höchste Zeit also für eine Bestandsaufnahme der Kontrollinstanzen. Der Geldwäsche-Experte Andreas Frank und der Finanzkorrespondent Markus Zydra erklären, wie und warum deutsche Behörden bei Geldwäsche-Verdacht oft beide Augen zudrücken.

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

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