Ausgabe September 2023

Kurzgefasst

Christian Jakob: Gegen das Untergangsdenken. Fünf Jahre Fridays for Future und die Chancen der Klimabewegung, S. 47-56

Haben wir in Sachen Klimaschutz mehr Fortschritte gemacht, als es den Anschein hat? Ja, sagt der Journalist Christian Jakob, auch weil Fridays for Future einiges in Bewegung gebracht habe. Er plädiert dafür, sich nicht von apokalyptischen Visionen entmutigen zu lassen.

Ferdinand Muggenthaler: Auf dem Weg in die KI-tokratie? Künstliche Intelligenz und die autoritäre Gefahr, S. 57-66

Das Internet und Social Media starteten mit der Hoffnung auf eine herrschaftsfreie Kommunikation. Bei Künstlicher Intelligenz sei dies anders, so der „Blätter“-Redakteur Ferdinand Muggenthaler. Diese werde zwar nicht die Herrschaft übernehmen, sei aber strukturell autoritär und ein ungeheures Machtinstrument in der Hand von Staaten und Unternehmen.

Ulrich Menzel: Putins Krieg und die neue Welt(un)ordnung. Warum wir die Internationalen Beziehungen neu denken müssen, S. 67-74

Russlands Invasion der Ukraine markiert auch eine Herausforderung für unser Verständnis der Globalisierung. Denn dieser Krieg, so der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel, ist Ausdruck eines Konfliktes zwischen liberalen und autoritären Mächten. An die Stelle des erhofften demokratischen Friedens ist der Hegemoniekonflikt zwischen den USA und China getreten.

Olaf Bernau: Zeitenwende im Sahel: Der Putsch in Niger und der Abzug aus Mali, S. 75-82

Im Niger hat das Militär gegen den westlich orientierten Präsidenten geputscht, in Mali sind die UN-Truppen inzwischen unerwünscht. Das markiert nicht weniger als eine Zeitenwende für den Sahel, zeigt der Soziologe Olaf Bernau: Die dortigen Staaten wenden sich vom Westen ab – mit höchst ambivalenten Ergebnissen.

Charles King: Der neue Aristopopulismus. Wie US-Konservative die Demokratie beerdigen, S. 83-92

Traditionell waren US-Konservative stets Verfechter der liberalen Demokratie. Nun aber attackieren republikanische Politiker wie Ron DeSantis massiv liberale Vorstellungen – und stellen zuweilen selbst die Demokratie infrage. Das hat Methode, argumentiert der Politikwissenschaftler Charles King. Er analysiert anhand der Schriften dreier rechter Vordenker die wachsenden autoritären Tendenzen bei den Republikanern.

Ireneusz Paweł Karolewski und Claus Leggewie: Das Ende der Demokratie? Was in Polen auf dem Spiel steht, S. 93-98

Wenn am 15. Oktober in Polen gewählt wird, steht dabei mehr auf dem Spiel als die Frage, wer die nächste Regierung stellt. Vielmehr verkörpern die zur Wahl stehenden Parteien höchst unterschiedliche politische Visionen, so der „Blätter“-Mitherausgeber Claus Leggewie und der Politikwissenschaftler Ireneusz Paweł Karolewski: Es geht um nicht weniger als die Zukunft des polnischen Rechtstaats sowie die Rechte von Frauen und Minderheiten.

Faride Zerán: Die Stille der Erinnerung. Chile 50 Jahre nach dem Putsch gegen Allende, S. 99-108

Am 11. September 1973 bombardierte das chilenische Militär den Präsidentenpalast und stürzte den demokratisch gewählten Präsidenten Salvador Allende. Die Militärjunta unter Augusto Pinochet drangsalierte das Land fast dreißig Jahre lang. Faride Zerán, schon damals Journalistin, blickt zurück und analysiert die wieder wachsende Popularität der Putschisten.

Bettina Röder: 40 Jahre »Schwerter zu Pflugscharen«. Wie die DDR-Friedensbewegung die Welt veränderte, S. 109-116

In der Nacht vom 24. zum 25. September 1983 wurde auf dem Lutherhof in Wittenberg unter Verantwortung des späteren „Blätter“-Mitherausgebers Friedrich Schorlemmer ein Schwert zu einer Pflugschar geschmiedet: als Symbol gegen die Aufrüstung während des Kalten Krieges. Die Journalistin Bettina Röder beschreibt die konflikthafte Vorgeschichte und die historischen Nachwirkungen dieses Ereignisses.

Inga Hofmann: Ein blasser Regenbogen. Das uneingelöste Versprechen vom queerpolitischen Aufbruch, S. 117-122

In ihrem Koalitionsvertrag versprach die Ampel-Regierung, die Selbstbestimmung von trans Menschen zu stärken und die Diskriminierung von queeren Elternpaaren abzubauen. Die bisherigen Vorhaben bleiben allerdings hinter der angekündigten Liberalisierung zurück, stellt die Journalistin Inga Hofmann fest und analysiert den Stand der Reformen.

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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