Bild: Péter Magyar am Abend auf der Wahlparty der Tisza-Partei in Budapest, 12.4.2026 (IMAGO / dts Nachrichtenagentur)
Am 16. Juni 1989 kam es auf dem Budapester Heldenplatz zu einer großen Demonstration für einen Regimewechsel im realsozialistischen Ungarn. Besonderes Aufsehen erregte damals ein 26-jähriger Jurastudent, der in seiner Rede die Vollendung der Revolution von 1956 forderte. Sein Name war Viktor Orbán. Aus dem mutigen jungen Mann von einst ist ein abgekämpfter autoritärer Machthaber geworden. So füllten in diesem Frühjahr erneut Großdemos den Heldenplatz, auf denen ein Regimewechsel gefordert wurde. Péter Magyar hielt die Reden für einen radikalen Neuanfang – und gewann die Parlamentswahl am 12. April in einem Erdrutschsieg. Vor gerade einmal zwei Jahren hatte er eine Partei namens Tisza gegründet, die ungarische Abkürzung für »Respekt- und Freiheitspartei« und der Name des zweitgrößten Flusses des Landes. Nun hat Tisza eine Zweidrittelmehrheit errungen.
Die Partei hat ein über 200 Seiten starkes Wahlprogramm mit vielen Reformvorschlägen erarbeitet. Über allem aber schwebt der große Plan des Regimewechsels, die Beseitigung des Systems Orbán, das bislang unter Aufhebung sämtlicher Gewaltenteilung nicht nur den Staat in allen Bereichen kontrolliert hat, sondern auch die Medien und die Wirtschaft. Das zeigte sich auch im von Orbáns Seite äußerst schmutzig geführten Wahlkampf. So sagten Tisza-Mitglieder, aber auch Polizisten aus, die noch regierende Fidesz würde den Geheimdienst einsetzen, um Tisza zu schaden.