Dokumente

»2020 könnte in Europa das Jahr des Mindestlohns werden«

Bericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, 13.2.2020

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung analysiert im Rahmen seiner seit 2009 jährlich erscheinenden WSI-Mindestlohnberichte die aktuelle Entwicklung von Mindestlöhnen im europäischen und internationalen Vergleich. Diese Analyse beruht im Wesentlichen auf der WSI-Mindestlohndatenbank, in der für 37 Länder umfangreiche Zeitreihen zu Mindestlöhnen, Wechselkursen und Preisentwicklungen zusammengestellt sind. In der Datenbank enthalten sind alle 22 EU-Länder, in denen Anfang des Jahres 2020 gesetzliche Mindestlöhne in Kraft waren. Außerdem werden sieben Anrainerstaaten der EU sowie sieben außereuropäische Industrie- und Schwellenländer berücksichtigt. Auf dieser Datenbasis gibt der WSI-Mindestlohnbericht einen umfangreichen Überblick zum Niveau der Mindestlöhne – und zwar sowohl in Euro, in Kaufkraftstandards und relativ zum nationalen Lohnniveau – und diskutiert aktuelle Vorstöße für eine strukturelle Erhöhung von Mindestlöhnen, wie sie von vielen nationalen Gewerkschaften gefordert und in einigen Ländern bereits umgesetzt werden. Vor diesem Hintergrund erschließen sich auch die jüngsten Initiativen für eine europäische Mindestlohnregelung. Zugleich hilft der Blick über die Grenzen hinweg, auch die deutsche Debatte über einen Mindestlohn von 12€ in einen europäischen Kontext einzuordnen. [...]

Innerhalb der Europäischen Union (EU) weisen die jeweiligen Mindestlöhne zum Stichtag 1. Januar 2020 eine erhebliche Spannweite auf, die von nur 1,87€ pro Stunde in Bulgarien bis zu 12,38€ in Luxemburg reicht. Es lassen sich drei große Ländergruppen identifizieren: Die erste umfasst sieben westeuropäische Industrieländer mit einem Mindestlohnniveau von 9€ und mehr. Diese Gruppe wird vom bereits erwähnten europäischen Spitzenreiter Luxemburg angeführt. Es folgen fast gleichauf Frankreich (10,15€) und die Niederlande (10,14€) sowie Irland mit einem Mindestlohn von 9,80€.

In Irland steigt der Mindestlohn allerdings schon zum 1. Februar 2020 auf 10,10€, sodass dann insgesamt vier westeuropäische Länder einen Mindestlohn von über 10€ haben. In Belgien, wo der Mindestlohn im Rahmen eines nationalen Tarifvertrages festgelegt wird, gelang es den Tarifvertragsparteien trotz umfangreicher Verhandlungen nicht, sich auf eine gemeinsame Erhöhung zu verständigen, sodass der Mindestlohn unverändert bei 9,66€ liegt. Auf einem geteilten sechsten Platz liegen zum Jahresanfang Deutschland und Großbritannien mit jeweils 9,35€ pro Stunde. Auch in Großbritannien wird der Mindestlohn deutlich erhöht und liegt ab dem 1. April 2020 für Arbeitnehmer ab 25 Jahren bei umgerechnet 9,93€ (8,72£), womit Deutschland innerhalb seiner Vergleichsgruppe dann auf den letzten Platz zurückfällt.

Den vollständigen Bericht finden Sie hier.