Dokumente zum Zeitgeschehen

»Belarus: Eine Revolution gegen die Angst«

Erklärung von 50 ehemaligen DDR-Bürgerrechtlern, 9.9.2020

Die Bilder und Nachrichten, die uns nun schon seit einigen Wochen aus Belarus erreichen, erinnern uns stark an das Jahr 1989. Sie rufen Erlebnisse und Erfahrungen wach. Auch wir standen lange einem aggressiv agierenden Staat gegenüber. Die gewaltsame Niederschlagung der friedlichen Proteste in Peking im Juni 1989 war uns ständig vor Augen, die Angst vor einer „chinesischen Lösung“ wurde täglicher Begleiter des Aufbegehrens gegen die Diktatur. Doch auf wundersame Weise verlief der Herbst 1989 weitgehend friedlich und ging als „Friedliche Revolution“ in die Geschichtsbücher ein.

Möglich wurde dies durch viele Mosaiksteine. Die Solidarność-Bewegung in Polen, die Charta 77 in der damaligen Tschechoslowakei, die Politik von Glasnost und Perestroika durch Michail Gorbatschow und die Aufarbeitungsgruppen “Memorial” in der Sowjetunion, der Widerstand in den baltischen Staaten und die immer stärker werdende Zahl der Demonstrantinnen waren nur die wichtigsten Leuchtfeuer.

Den Großdemonstrationen in der DDR ging fraglos eine lange Opposition von Bürgerrechtsgruppen voraus. Zum Auslöser der Massenproteste wurde – so wie bei Ihnen in Belarus – das offensichtliche Fälschen von Wahlen durch die Staatsregierung. Die Schmerzgrenze war erreicht. In dieser Situation war für uns die Unterstützung durch westdeutsche Medien von größter Wichtigkeit.

Umso mehr wissen wir uns Ihnen in Ihrer weitaus schwierigeren Lage zutiefst und solidarisch verbunden. Bei Ihnen wird die freie Berichterstattung unterbunden, Journalist*innen werden inhaftiert, Demonstrant*innen sind Justizwillkür und Folterungen ausgesetzt. Die Gefahr des gezielten russischen Eingreifens ist nicht gebannt und die Unabhängigkeit von Belarus bedroht.

Die vollständige Erklärung finden Sie hier.