Dokumente

»Deutschland ist eines der wenigen OECD-Länder, das keine obligatorische Rentenversicherung für alle Selbständigen hat«

Studie der OECD, 27.11.2019

Deutschland ist eines der wenigen OECD-Länder, das keine obligatorische Rentenversicherung für alle Selbständigen hat. Einige Gruppen von Selbständigen sind in berufsständischen Systemen versichert, allerdings ist die Alterssicherung für Selbständige insgesamt lückenhaft. Auch für die wachsende Zahl an Arbeitnehmern, die neue Formen der Arbeit z.B. über Plattformen ausüben, sind aufgrund mangelnder Absicherung und niedriger Beiträge die Rentenaussichten düster.

Deutsche Frauen sind heute von der OECD-weit größten Geschlechter-Rentenlücke betroffen (46%). Da das geschlechtsspezifische Lohngefälle über dem OECD-Durchschnitt liegt und viele Frauen in Deutschland Teilzeit arbeiten, dürften zukünftige Rentenansprüche von Frauen im Vergleich zu Männern niedrig bleiben. Die Netto-Ersatzraten für zukünftige Rentner werden aufgrund des Nachhaltigkeitsfaktors sinken und voraussichtlich unter dem OECD-Durchschnitt liegen. Dies gilt insbesondere für Geringverdiener (Hälfte des Durchschnittsverdienstes), die mit einer 56%-igen Ersatzquote rechnen können, verglichen mit 68% in der OECD (52% vs. 59% bei Durchschnittsverdienern). Ohne Grund-und Mindestrente wird das Armutsrisiko für einkommensschwache Rentner groß sein. Eine kürzlich geschlossene Koalitionsvereinbarung sieht die Einführung einer einkommensgeprüften Mindestrente für Menschen vor, die mindestens 35 Beitragsjahre aufweisen.

Die schnelle Bevölkerungsalterung könnte die finanzielle Tragfähigkeit des öffentlichen Rentensystems gefährden. Nach derzeitiger Gesetzeslage würden die öffentlichen Rentenausgaben gemäß EU-Prognosen von heute etwa 10 % des BIP auf 12,5 % im Jahr 2060 steigen, obwohl das Rentenniveau aufgrund des Nachhaltigkeitsfaktors um 10 % sinkt. Deutschland ist Spitzenreiter beim Anstieg der Beschäftigungsraten älterer Arbeitskräfte (+34 Prozentpunkte in der Altersgruppe 55-64 seit 2000). Die Beschäftigungsrate von 65-bis 69-Jährigen ist nach wie vor sehr gering.

Die vollständige Studie finden Sie hier.