Dokumente zum Zeitgeschehen

»Die pauschalen Vorwürfe einer einseitigen Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Medien sind nicht gerechtfertigt«

Gutachten des Instituts für Publizistik der Uni Mainz und des Instituts für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Uni München, 20.5.2026

Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass öffentlich-rechtliche Medien ihrem Auftrag, die Gesellschaft in ihrer Breite abzubilden und dabei ausgewogen zu berichten, eher nachkommen als diese normative Zielvorgabe des Medienstaatsvertrags zu verfehlen – auch wenn die Studienlage bei weitem nicht die Gesamtheit des öffentlich-rechtlichen Informationsangebots umfassend empirisch ausleuchten kann. Allerdings zeigt insbesondere die Analyse von Akteuren und themenspezifisch auch Meinungen Defizite hinsichtlich der Ausgewogenheit der Berichterstattung auf. Wenn bestimmte Personengruppen, insbesondere zivilgesellschaftliche Akteure bzw. bestimmte Positionen und Meinungen, (systematisch) unterrepräsentiert sind, läuft dies dem eng mit dem Vielfalts- und Ausgewogenheitsgebot verbundenen Integrationsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks entgegen und wirkt sich in der Folge möglicherweise abträglich auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt aus. 

Hier gilt es also nachzuschärfen und Vielfalt und Ausgewogenheit als zentrale Ansprüche an die eigene Berichterstattung in den Redaktionen zu implementieren. Gleichwohl muss berücksichtigt werden, dass wir hier unseren Fokus auf das politische Informationsprogramm gerichtet haben und insbesondere für die Orientierungsleistung zum aktuellen Tagesgeschehen die reale gesellschaftliche Relevanz entscheidend ist. 

Um die Qualität der Auftragserfüllung in Zukunft angemessen überprüfen zu können, wird der neu gegründete, unabhängige Medienrat auch Impulse geben können. Unser systematischer Literaturüberblick hat gezeigt, dass es adäquater Instrumente zur objektiven Überprüfung bedarf. Erstens müssen sie klar definieren, welche Dimensionen mit welchen Methoden gemessen werden sollen und können. Zweitens müssen sie sich passender Vergleichsmaßstäbe bedienen, da sonst keine definitive Beurteilung möglich ist. Um die demokratische Legitimation öffentlich-rechtlicher Angebote in Zukunft sicherzustellen, sind diese Instrumente unerlässlich. Denn unter der Annahme, dass die Qualität der Demokratie von der Qualität der Medien abhängt, braucht es mehr denn je verlässliche, standardisierte Messinstrumente in der Qualitätsforschung.

Das vollständige Gutachten finden sie hier.