Dokumente zum Zeitgeschehen

»Hände weg von unserer Rente!«

Offener Brief an den Bundeskanzler von der Vertrauenskörperleitungen der IG Metall bei Mercedes-Benz, 28.7.2026

Wir hören aus der Politik immer wieder dieselbe Botschaft: 
Angeblich sind wir schuld an den Problemen der deutschen Wirtschaft. Wir seien zu faul. Zu teuer. Zu häufig krank. Und deshalb sollen wir jetzt den Karren wieder aus dem Dreck ziehen. Wir sollen länger arbeiten. Später in Rente gehen. Und bei der Gesundheitsversorgung immer tiefer in die eigene Tasche greifen. Gleichzeitig sollen in den kommenden Jahren zehntausende Industriearbeitsplätze verschwinden. All das ist ein direkter Angriff auf uns Arbeitnehmer und auf die Zukunft unserer Kinder! 

Besonders kritisch sehen wir die Diskussion über eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters. Schon heute ist es für viele Kolleg:innen in der Industrie alles andere als selbstverständlich, überhaupt die Regelaltersgrenze zu erreichen. Die Debatte greift viel zu kurz, wenn ausschließlich auf das Lebensalter geschaut wird. Entscheidend ist auch, wann ein Mensch ins Berufsleben eingetreten ist. Wer mit 16 oder 17 Jahren eine Ausbildung beginnt, hat oft schon zehn Jahre harte Arbeit in den Knochen, bevor andere nach einem Studium überhaupt ins Berufsleben starten. Diese Unterschiede müssen sich in der Rentenpolitik widerspiegeln. Wer jahrzehntelang Beiträge gezahlt und körperlich oder psychisch belastende Arbeit geleistet hat, muss auch die Möglichkeit haben, früher abschlagsfrei in den Ruhestand zu gehen. Eine Rente mit 70 ist deshalb für uns vollkommen realitätsfern. 

Für viele Kolleg:innen stellen bereits 67 Jahre die absolute Belastungsgrenze dar. Ebenso kritisch sehen wir die Diskussion um die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren. Die sogenannte „Rente mit 63“ gibt es für die meisten Beschäftigten längst nicht mehr. Für die Jahrgänge ab 1964 ist eine abschlagsfreie Rente trotz 45 Beitragsjahren erst mit 65 Jahren möglich. Trotzdem wird auch diese Regelung wieder zur Disposition gestellt. Dafür gibt es in unseren Betrieben kein Verständnis. Wir sagen: Hände weg von unserer Rente! 

Den vollständigen Offenen Brief finden sie hier.