Bericht vom Thinktank »Agora«, 7.7.2026
KI-Systeme werden zu neuen Gatekeepern der Nachrichtenvermittlung. Diese Entwicklung hat grundlegende Auswirkungen auf unsere demokratische Öffentlichkeit. Nutzende erhalten von KI-Systemen vollständig ausformulierte Antworten und haben daher kaum Anlass, die zugrundeliegenden Originalquellen zu prüfen. Diese Zero-Click-Suche entzieht Medien Reichweite und Einnahmen, obwohl ihre Inhalte die KI-Systeme erst nutzbar machen und den Anbietern erhebliche Gewinne bescheren. Medien verlieren so den direkten Kontakt zum Publikum und damit die Möglichkeit, sich über diesen Weg im Digitalen zu refinanzieren. Wenn der Journalismus so seine wirtschaftliche Grundlage verliert, steht damit eine zentrale Säule demokratischer Informationsvermittlung auf dem Spiel.
Die Quellenauswahl führender KI-Systeme ist eine Blackbox. Die Studie zeigt anhand eigener Erhebungen, dass KI-Systeme aus einer schmalen Quellenbasis schöpfen, Aufmerksamkeitsverzerrungen verstärken und ihre politische Ausrichtung je nach Thema verschieben, ohne dass die Auswahlkriterien dokumentiert oder nachvollziehbar sind. Sie greifen außerdem im Einzelfall auf Desinformationsquellen zurück, die in den KI-Antworten ungekennzeichnet neben journalistischen Quellen stehen.
Aktuelle Regulierung greift nicht. AI Act, Digital Services Act, Digital Markets Act und EMFA bieten zwar grundsätzliche Ansatzpunkte, erfassen die KI-vermittelte Quellenauswahl im laufenden Betrieb und die damit verbundene mangelnde Transparenz aber bislang nicht konsequent. Es besteht eine konkrete Regulierungslücke. Besonders wichtig sind dabei Transparenz und Offenlegung der Kriterien zur Quellenauswahl im laufenden Betrieb, eine überprüfbare Zuordnung von Aussagen und Quellen sowie Offenlegung bestehende Kooperationen zwischen KI-Anbietern und Medienhäusern für Nutzende. Ohne Einblick in die Quellenauswahl lassen sich weder Haftung noch Vielfalt noch faire Vergütung durchsetzen.
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