Ausgabe Februar 1991

Glossiert: Verhandlungserfolge

Der letzte Besuch bei meinem Schuhhändler hat mir endgültig klargemacht, daß es so nicht weitergeht. 278 Mark 90 für ein Paar schwarze Halbschuhe mit geklebter Gummisohle, da ist Schluß. Nächste Woche ist Julia mit ihren Winterstiefelchen dran. Wie kommt der Mann eigentlich zu seinen Preisen? Wahrscheinlich Schuhgröße mal vier plus x. Wären bei Julia, Schuhgröße 25, erst mal 100 Mark als Grundvergütung dafür, daß dieser Herr Julchens Füße überhaupt irgendwie umkleidet. Nein, es geht nicht mehr.

Das habe ich ihm jetzt auch gesagt. Herr Schumacher, habe ich gesagt, ich kann das alles nicht mehr bezahlen. Er war nicht besonders überrascht und hat mir einen sachlichen Vortrag gehalten, daß seine Schuhe stets nach neuesten pedo-orthopädischen Gesichtspunkten gestaltet würden, daß an der doppeltflexiblen atmungsaktiven Natursohlenauflage nun wirklich kein Weg mehr vorbei führe, daß Forschung und Entwicklung ihren Preis hätten, daß der Fuß das höchste Gut des Menschen sei, auf dem schließlich alles beruhe und daß ihm im übrigen auch niemand etwas schenke. Irgendetwas aber ließ mich hoffen, daß das nicht sein letztes Wort wäre.

Februar 1991

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