Ausgabe Juni 1991

Das Dilemma der Glaubwürdigkeit.

Über die Zukunft der amerikanischen Außenpolitik

Der amerikanische Historiker und Ökonom Gabriel Kolko (geb. 1932) ist einer der herausragenden Vertreter der von William A. Williams begründeten „revisionistischen Schule". Diese Schule stellte die „orthodoxe" Sicht der Entstehung des Kalten Krieges in Frage, derzufolge die militärische Expansion der USA nach dem Zweiten Weltkrieg die pragmatische Antwort auf die ideologisch fundierte Aggressivität der Sowjetunion und deren hegemoniale Ambitionen gewesen sei. Professor Kolko lehrt an der York University in Toronto/Kanada. D. Red.

Die großen Veränderungen, die sich in den vergangenen zwei Jahren in der Welt vollzogen haben, kamen so schnell und unerwartet, daß viele wichtige Reaktionen der Vereinigten Staaten zögerlich, improvisiert und nur teilweise gut durchdacht waren. Schaut man sich die Äußerungen und Überlegungen der offiziellen Stellen oder der wenigen Mitglieder des außenpolitischen Establishments näher an, zeigt sich, daß die Bush-Regierung selbst in einer Zeit, in der die Sowjetunion ein politisches und soziales Trauma erlebt, eine Außenpolitik betreibt, bei der sich die traditionellen ideologischen Wahrheiten und militaristischen Impulse mit tiefgehenden Zweifeln hinsichtlich der Zukunft mischen.

Juni 1991

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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