Ausgabe September 1991

Ein Kessel Eingemachtes

E i n K e s s e l B u n t e s war das bekannteste Unterhaltungsprogramm des DDR-Fernsehens. Als eine der wenigen Sendungen hat es die "Abwicklung" überlebt und ist ins Erste westgesamtdeutsche Programm übernommen worden. Es galt früher als typisches Beispiel für die Mischung aus Biederkeit und professioneller Perfektion, mit der das Honecker-Regime versuchte, auf dem Gebiet der Unterhaltung sowohl dem Westfernsehen Konkurrenz zu machen, als auch an alte Berliner Traditionen weltstädtischen Amusements anzuknüpfen. Dafür wurde der alte "Friedrichsstadt-Palast" mit großem Geldaufwand zur größten und modernsten Showbühne Deutschlands ausgebaut, deshalb leistete sich das Adlershofer Fernsehen unter anderem ein professionelles Ballett.

Etwa dreimal im Jahr produziert der Deutsche Fernsehfunk (DFF), der nach einer Gnadeninst als "Länderkette" auch bald zu verschwinden haben wird, mit Unterstützung des NDR diesen B u n t e n A b e n d - und die aus den 50er Jahren stammende Bezeichnung für Sendungen, die bei uns mit den Namen Frankenfeld und Kuhlenkampff verbunden sind, scheint hier wirklich angebracht. Oder eigentlich doch nicht: Es fehlen die Publikumsspiele. Kein Raten, keine Gewinne.

Das, was bei V i e l V e r g n ü g e n (Peter Frankenfeld) als Rosinen zwischen die Runden gestreut war, füllt hier das ganze Programm.

September 1991

Sie haben etwa 31% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 69% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.