Ausgabe März 2026

Springers neue Stasi

Das Axel Springer Hochhaus in Berlin (IMAGO / Ray van Zeschau)

Bild: Das Axel Springer Hochhaus in Berlin (IMAGO / Ray van Zeschau)

Man kann Axel Caesar Springer, dem Schöpfer von »Bild« und »Welt«, ja vieles vorwerfen, aber eines gewiss nicht, dass er die DDR verharmlost hätte. Im Gegenteil: Nicht ohne Grund baute Springer seinen ersten Tower direkt an die Mauer, als Symbol westlicher Pressefreiheit, und schrieb stets »DDR«, um durch die Tüttelchen zu sagen, dass von Demokratie in dieser Republik keine Rede sein konnte. Insofern müsste sich der alte Caesar eigentlich im Grabe umdrehen, wenn er sehen könnte, was seine Nachlassverwalter derzeit anrichten. So meint Andreas Rosenfelder, seines Zeichens »Welt-Chefkommentator« und »Ressortleiter Meinungsfreiheit«, doch tatsächlich eine neue Stasi entdeckt zu haben – gemeinsam mit unserem lupenreinen Ex-Kanzler Gerhard Schröder: »Ich sehe mit Sorge die ›Zensurnetzwerke‹, die den demokratischen Diskurs einengen«, heißt es bei Schröder. Demokratie brauche aber »keine neue ›Stasi‹«, so unser liebster Putin-Vertrauter, und zwar ausgerechnet in einem Gastbeitrag in der »Berliner Zeitung«, herausgegeben vom Ex-Stasi-Mann und Egon-Krenz-Verehrer Holger Friedrich. Mehr Relativierung der wahren Stasi geht kaum! Und was macht Rosenfelder daraus? Er feiert den Neu-Stasi-Entdecker Schröder für dessen Beleuchtung des »großen blinden Flecks der deutschen Politik – den Umgang mit der Meinungsfreiheit«.

»Blätter«-Ausgabe 3/2026

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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