Ausgabe Januar 1992

Perspektiven der Befreiung

Zivilgesellschaftliche Allianzen zwischen Nord und Süd

In den letzten Jahren sind eine Reihe von internationalen Initiativen entstanden, geprägt von verschiedenen Ausdrucksformen ziviler Gesellschaft, in denen sich Bürgerbewegungen des Nordens und des Südens übereinstimmend äußern. Die zunehmenden Forderungen nach Neustrukturierung der Weltökologieordnung, die Teilnahme von Nichtregierungsorganisationen (NGO) der entwickelten Welt und der Entwicklungsländer an Aktionen gegenüber dem GATT und der von Weltbank und Internationalem Währungsfonds betriebenen Strukturanpassungspolitik und die von den NGOs des Nordens und Südens gemeinsam durchgeführten „Lobby-Aktionen" sind Beispiele für eine sich abzeichnende neue Modalität internationalen politischen Drucks und internationaler Bündnisse, die man als „Diplomatie der Bürger" bezeichnen könnte.

Die neue Form der Verbindung zwischen Nord und Süd, ausgehend von Beziehungen zwischen Bürgerinnen und Bürgern, die in Umwelt- und Frauenorganisationen, ethnischen Gruppen, als kleine Produzenten und in Miniunternehmen zusammengeschlossen sind, entsteht nicht spontan, sondern ist tiefgreifenden Umbrüchen und Veränderungen geschuldet, die auf der internationalen Bühne wie auf nationaler Ebene vor sich gehen.

Januar 1992

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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