Ausgabe Januar 1992

Wir und sie

Zwischen Selbstverleugnung und Selbstzufriedenheit. Über Universalismus und Partikularismus

Im Dezember-Heft dieser Zeitschrift wird das mit dem Titel dieses Beitrags umrissene Spannungsverhältnis ungewollt beispielhaft dokumentiert. So wird von dem Autorengespann Knight/Kowalsky der „Blätter"-Mitherausgeberin Osterkamp eine „linke Betroffenheitsphraseologie...als Analyseersatz" zugeschrieben und sie in eine Kategorie namens „Ausländerfreunde/Inländerfeinde" gepackt, deren Triebfeder „Abscheu gegenüber allen Deutschen, ein versteckter Selbsthaß" sei. Und die so Kritisierte revanchiert sich 40 Seiten danach mit der Zuordnung des besagten Duos zu „neueren Versionen (nach Manier alerter Yuppies)", die positiv gewendete Fremdenfeindlichkeit „zum Menschenrecht auf eine eigene, durch Fremde nicht belastete Identität stilisiert" und qualifiziert dies als moralisch fragwürdige „Variante des Herr-im-Hause-Standpunkts". Angesichts solchen Schlagabtauschs könnte es fast schon von einer sensiblen Redaktion inszeniert sein, daß — zumindest räumlich — dazwischen in einem aus dem Jahre 1950 stammenden Text von Thomas Mann (der sich im Titel bezeichnenderweise „Wider die Selbstgerechtigkeit der besseren Welt" wendet) hinsichtlich staatlicher Propaganda in der Ära des Kalten Krieges von „schulbubenhaften Bezichtigungen und Gegenbezichtigungen" die Rede ist...

Januar 1992

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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