Am 22. Juni beschlossen der französische Staatspräsident Franois Mitterrand und Bundeskanzler Helmut Kohl offiziell die Bildung eines gemeinsamen Armeekorps. Alle WEU-Mitglieder sind eingeladen, im sogenannten "Eurokorps" mitzuwirken, soll es doch der Kern des künftigen militärischen Arms der Europäischen Union sein, die langfristig - so der Vertrag von Maastricht - auch eine gemeinsame Verteidigungspolitik anstrebt. Die internationalen Reaktionen auf dieses Vorhaben reichten von gedämpfter Verärgerung bis zu blankem Entsetzen. So mußte sich der französische Außenminister Dumas von seinem amerikanischen Kollegen Baker anblaßen lassen, ob er nun für oder gegen "uns" sei. Und der frischgebackene deutsche Verteidigungsminister konnte sich den drängenden Fragen auf der NATO Frühjahrstagung nur durch die Versicherung entwinden, das "Eurokorps" werde unter NATO-Oberbefehl gestellt, was kurz darauf vom neuen deutschen Außenminister dahingehend korrigiert wurde, eine derartige Unterstellung sei noch keine beschlossene Sache und allenfalls ein "Fernziel". Zu den Fakten. Die politische Führung des Armeekorps wird zur Zeit durch den deutsch-französischen Sicherheitsrat bzw. seine nachgeordneten Gremien (Ratskomitee, gemischter Ausschuß) gewährleistet. Sollten sich weitere Länder am "Eurokorps" beteiligen, so wird dieser Sicherheitsrat zu einem "Rat für das Eurokorps" erweitert. Bereits am 1.
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.