Am 22. Juni beschlossen der französische Staatspräsident Franois Mitterrand und Bundeskanzler Helmut Kohl offiziell die Bildung eines gemeinsamen Armeekorps. Alle WEU-Mitglieder sind eingeladen, im sogenannten "Eurokorps" mitzuwirken, soll es doch der Kern des künftigen militärischen Arms der Europäischen Union sein, die langfristig - so der Vertrag von Maastricht - auch eine gemeinsame Verteidigungspolitik anstrebt. Die internationalen Reaktionen auf dieses Vorhaben reichten von gedämpfter Verärgerung bis zu blankem Entsetzen. So mußte sich der französische Außenminister Dumas von seinem amerikanischen Kollegen Baker anblaßen lassen, ob er nun für oder gegen "uns" sei. Und der frischgebackene deutsche Verteidigungsminister konnte sich den drängenden Fragen auf der NATO Frühjahrstagung nur durch die Versicherung entwinden, das "Eurokorps" werde unter NATO-Oberbefehl gestellt, was kurz darauf vom neuen deutschen Außenminister dahingehend korrigiert wurde, eine derartige Unterstellung sei noch keine beschlossene Sache und allenfalls ein "Fernziel". Zu den Fakten. Die politische Führung des Armeekorps wird zur Zeit durch den deutsch-französischen Sicherheitsrat bzw. seine nachgeordneten Gremien (Ratskomitee, gemischter Ausschuß) gewährleistet. Sollten sich weitere Länder am "Eurokorps" beteiligen, so wird dieser Sicherheitsrat zu einem "Rat für das Eurokorps" erweitert. Bereits am 1.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.