Ausgabe Februar 1995

Schluß mit der Fundamentalismus-Debatte!

Plädoyer für eine Reorientierung des interkulturellen Dialogs

Die These vom drohenden „Zusammenstoß der Zivilisationen" findet immer noch eine ungewöhnlich große Resonanz - auch weil sie von Kritikern meist nur plakativ abgewehrt wird. Selbst wenn man die These für wenig gehaltvoll hält, bleibt eine Diskussion zur Sache überfällig. Von der Geographie und der Kultur her gesehen ist hierzulande die Auseinandersetzung mit den Vorgängen im arabisch-islamischen Bereich und im Iran „naheliegend". Dieter Senghaas nimmt diesen Bezugsbereich zum Ausgangspunkt, um für eine sowohl historische als auch vergleichende Grundlegung der genannten Diskussion zu plädieren. D. Red.

Die nachfolgenden Überlegungen wollen im Hinblick auf den Dialog zwischen Christen und Muslimen bzw. westlicher Moderne und Islam unzeitgemäß wirken: „das heißt gegen die Zeit und dadurch auf die Zeit und hoffentlich zugunsten einer kommenden Zeit", gemäß der Definition, die Friedrich Nietzsche diesem Begriff einst gegeben hat. Der Anstoß zu dieser Betrachtung hat seinen Ursprung in der Beobachtung, daß der genannte Dialog vom Gesetz abnehmenden Grenznutzens eingeholt wird. Ursprünglich neue Informationen, Erkenntnisse und Einsichten mobilisierend hat er sich inzwischen so sehr routinisiert, daß er in analytischer und praktischer Hinsicht kaum noch neue Gesichtspunkte zu generieren imstande ist.

Februar 1995

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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