Ein erstaunlich großer Teil der Debatte über Israels politische Optionen, besonders in amerikanischen Kreisen, scheint davon auszugehen, daß der neue Premier Benyamin Netanyahu in Sicherheitsdingen tun kann, was ihm gefällt. Auf die arabischen Reaktionen scheint es nicht anzukommen. Netanyahu versprach im Wahlkampf Frieden plus Sicherheit, ohne Konzessionen an die Araber. Er erklärte, daß Israel die Golanhöhen ebenso wie die bestehenden Siedlungen auf der Westbank und in Hebron behalten oder sie sogar erweitern würde; daß es gegebenenfalls in den Gazastreifen zurückkehren und die Selbstmordanschläge der Hamas in Israel ebenso wie den Beschuß israelischer Dörfer durch militante Islamisten aus dem Südlibanon beenden werde. Sein Gegner Schimon Peres versprach lediglich Frieden, in Anerkennung der Tatsache, daß dafür mit territorialen und politischen Zugeständnissen an die Palästinensische Befreiungsorgansisation und an Syrien bezahlt werden müsse. Peres und sein ermordeter Vorgänger Yitzhak Rabin hatten allerdings in bezug auf die PLO eine gefährliche Linie eingeschlagen. Sie gestanden Arafat gerade soviel zu, daß er als Verhandlungspartner zu halten war, aber nicht genug, um die Palästinenser wirklich zufriedenzustellen.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.