Ausgabe August 1996

Anti-Plot-Plot

Gaspard macht ein paar Tage Urlaub in Dinard an der Nordküste der Bretagne. Vielleicht wird er auch seine Freundin Léna dort treffen. Er ist Mathematiker und macht in der Freizeit Musik. Mit der Ethnologiestudentin Margot, die im Restaurant bedient, führt er auf langen Spaziergängen Gespräche über Liebe, Ängste und Vorstellungen vom Leben, aber eine Liebesgeschichte will sie nicht daraus werden lassen. Auch Solène, die er in einer Diskothek gesehen hat und die, laut Margot, gut zu ihm passen würde, läßt sich auf Gespräche und gemeinsame Unternehmungen ein, will aber mit dem Sex noch warten. Einen Ausflug auf die Insel Ouessant, der mit Léna geplant war und für den sich Margot schon ersatzweise als Begleiterin angemeldet hat, will er nun mit Solène machen. Dann taucht Léna plötzlich doch noch auf, aber schließlich fährt er statt auf die Insel zu einem Freund, der ein gebrauchtes 8-Spur-Tonbandgerät für ihn aufgetrieben hat.

Die Schlußpirouette des neuen Films von Eric Rohmer: Sommer (eigentlich: Sommermärchen) entspricht dem Charakter des Gaspard, jenes Hans im Glück, der sich nicht entscheiden kann. Die Mädchen sprechen ihn an und nicht er sie, aber sie wenden sich auch wieder von ihm ab, weil er es jeder recht machen will.

August 1996

Sie haben etwa 37% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 63% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo