Ausgabe November 1996

Zum Streit um die Entgeltfortzahlung

Ein Rechtsgutachten für die Industriegewerkschaft Metall (Auszüge)

Bei der Bewertung des Gesamtzusammenhangs einer Vereinbarung sind weitere Besonderheiten des EFZG n.F. zu berücksichtigen. So handelt es sich bei der den Arbeitnehmern durch § 4a Abs. 1 EFZG n.F. eingeräumten gesetzlichen Möglichkeit sich einen Urlaubstag auf einen Block von fünf Krankheitstagen anrechnen zu lassen, soweit es um tariflich vereinbarten Urlaub geht, um einen Eingriff in die Tarifautonomie. An dieser Bewertung ändert sich auch durch die Tatsache nichts, daß § 4 Abs. 4 TVG durch § 4a Abs. 1, letzter Satz EFZG n.F. ausdrücklich für nicht anwendbar erklärt worden ist (so zutreffend Leinemann, BB 1996, 1382; vgl. auch die Ausführungen in der Gutachterüchen Stellungnahme Säcker vom 26.9.1993 zu Art. 1 § 2 und Art. 20 § 2 des Entwurfs eines Gesetzes über die Zahlung des Arbeitsentgelts an Feiertagen und im Krankheitsfall, S. 26 und der Stellungnahme des Präsidenten des BAG an den Vorsitzenden des Ausschusses für Arbeits- und Sozialordnung des Deutschen Bundestags vom 7.5.1996, S. 3). Beim Abschluß der vorliegenden Manteltarifverträge war weder eine derartige Regelung noch der gesetzliche Ausschluß des § 4 Abs. 4 TVG durch § 4a Abs. 1 EFZG n.F. für die Parteien absehbar. Dafür, daß auch derart grundlegende gesetzgeberische Eingriffe in die Tarifautonomie, die über die Regelung der Entgeltfortzahlung hinausgehen, von den Parteien akzeptiert werden sollten, finden sich keine Anhaltspunkte. Die gesetzliche Neuregelung ist damit in einem Maß unvorhersehbar gewesen, das auch in anderen Bereichen (etwa bei der Bezugnahme auf einen anderen Tarifvertrag, vgl. dazu Däubler, a.a.O., S. 106, Rn. 124) der Zulässigkeit einer dynamischen Verweisung entgegenstellen würde. [...]

--

Leider ist dieser Beitrag in der HTML-Ansicht nur in Auszügen verfügbar. Den gesamten Text finden Sie in der PDF-Datei, die auf dieser Seite zum Download angeboten wird.

 

 

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo