Ausgabe Dezember 1998

Kosovo: Not kennt kein Gebot?

Nicht nur das Völkerrecht, vor allem die Politik verbessern

Der Einsatz der NATO gegen die Bundesrepublik Jugoslawien wäre ein klarer Völkerrechtsbruch und müsste gerechtfertigt werden. Vor allem wäre zu beweisen, daß nichtmilitärische Mittel versagt haben und daß ein kriegerischer Konflikt der Allianz mit Belgrad zur Lösung des Kosovo- Problems beitragen würde.

Es hat seit dem Zerfall Jugoslawiens und insbesondere nach dem Friedensschluß von Dayton nicht an Stimmen gefehlt, die vor der Gewalteskalation im Kosovo gewarnt haben. Auch wurden Vorschläge gemacht, wie Konfliktprävention in dieser Region aussehen könnte. Das Krisenmanagement begann – wie so oft – dennoch erst, als die Provinz bereits an der Schwelle zum Krieg stand. Weil es ohne Slobodan Milošević Ende 1995 keinen Friedensschluß in Bosnien gegeben hätte, wurde in Dayton der serbisch-albanische Konflikt beiseite geschoben: Der Preis für den Frieden in Bosnien war der Krieg im Kosovo.

Viele glauben, der jugoslawische Krieg habe im Kosovo begonnen, dort werde er – notfalls durch eine NATO-Militärintervention – auch enden. Diese Annahme ist jedoch falsch, denn auch die Kosovo-Krise hat regionale Weiterungen: Im Nachbarstaat Makedonien ist ein Drittel der Bevölkerung albanisch. Ein Teil von ihr ruft nach Territorialautonomie.

Dezember 1998

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