Ausgabe Dezember 1998

Kosovo: Not kennt kein Gebot?

Vom Friedensprozeß in Nordirland lernen

Die Drohkulisse der NATO ist natürlich kein Ergebnis völkerrechtlicher Überlegungen, eher im Gegenteil. Sie erfüllt eine Reihe von praktisch-politischen Wünschen aller Seiten im Balkan-Konflikt und sollte nicht nur mit der Elle des Völkerrechts gemessen werden. Alle Beteiligten, auch die Erfinder dieser Strategie, kennen die Völkerrechtswidrigkeit der Aktion und camouflieren dies auch nur sehr unvollkommen. Im übrigen gilt die Verabredung, daß ein Militärschlag nicht erfolgt.

Zunächst einmal erfüllt die Aktion den Wunsch, insbesondere die Westeuropäer davon zu überzeugen, daß die NATO weiter dringend gebraucht wird. Dieser Zweck ist weitgehend erfüllt worden.

Sie liefert weiter die notwendige Unterstützung für Slobodan Miloševic ́, eine Autonomieregelung für das Kosovo in Serbien gegen die Nationalisten durchzusetzen und dabei die Position des Präsidenten zu stärken. Auch dieser Zweck ist weitgehend erfüllt.

Ferner soll die Aktion die virulenten bewaffneten Unabhängigkeitsbestrebungen der Kosovo-Albaner unter Kontrolle bringen. Dieser Zweck ist nur teilweise erfüllt worden.

Die Aktion fördert weiter die Entwicklung zum „normalen Staat“ in Deutschland.

Dezember 1998

Sie haben etwa 56% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 44% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo