Ausgabe März 1999

Opium fürs Akademikervolk?

Der antipolitische Populismus der Cultural Studies

In den letzten fünfzehn Jahren ist vor allem, aber nicht allein in der englisch-sprachigen Welt die Zahl derjenigen enorm gewachsen, die das Fach "Cultural Studies" betreiben und sich damit identifizieren. Mit Energie wird ans Werk gegangen, es herrschen Überzeugung, Elan und Leidenschaft. Möglich war dies nur, weil "Cultural Studies" eine Form des intellektuellen Lebens bieten, die auf von außerhalb hineingetragene Leidenschaften und Hoffnungen zu antworten weiß. Das Fach reagiert auf die Energien sozialer und kultureller Bewegungen - und auf ihren Niedergang. Die Cultural Studies sind nicht bereits völlig fertig ihrem Studienobjekt, der Kultur, entsprungen. Zu einem bedeutenden Teil entstand dieses Fach, weil der Gegenstand seiner Aufmerksamkeit wuchs: der Boom der Populärkultur (popular culture) und ihrer Bedeutung für das Leben in den westlichen Gesellschaften, besonders seit den 60er Jahren. Es bedarf keines ökonomischen Determinismus', um folgende Feststellung zu vertreten: Eine Vorbedingung für das Wachstum des Jugendmarktes war der Wirtschaftsaufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg und der starke Zuwachs des verfügbaren Einkommens bei den Jugendlichen der privilegierten Länder. Auch der säkulare Niedergang der Arbeit und das Aufkommen von "Freizeit", wie man sie nannte, trug zur zunehmenden Bedeutung der Populärkultur bei.

März 1999

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Fortschrittsfalle KI

von Roberto Simanowski

Unbemerkt von den meisten verschiebt sich die Macht vom Menschen zur Maschine. Erste Studien bezeugen: Der Mensch wird dümmer durch KI. Je mehr er sie als Hilfsmittel nutzt, umso geringer seine kognitive Aktivität und schließlich seine Fähigkeit zum kritischen Denken.