Ausgabe August 2001

Algerischer Staatszerfall

"Ihr könnt uns nicht töten, wir sind schon tot", stand auf einem riesigen Transparent bei einer der großen Massendemonstrationen in Tizi Ouzou, der Hauptstadt der Kabylei. Diese Parole bringt sehr einfach auf den Nenner, worum es den Demonstranten ging und geht: Nicht um die in Teilen der westlichen (vor allem französischen) Medien immer wieder bemühte Frage der Ethnizität, das Einfordern der offiziellen Anerkennung der berberischen Sprache und der Kultur der Kabylen, nein, es war der Protest einer jeder Perspektive beraubten Jugend gegen das soziale Elend, die mangelnde Ausbildung, die absolute Chancenlosigkeit auf einem faktisch nicht mehr existenten Arbeitsmarkt. Dass sich hier sozialer Protest wütend Bahn brach, wird unterstrichen durch die Tatsache, dass die Unruhen lauffeuerartig auf weite Teile des ganzen Landes übergriffen.

Und zugleich artikulierte sich massiver politischer Protest: An der großen Demonstration gegen das Vorgehen der "Sicherheitskräfte" beteiligten sich am 14. Juni in Algier etwa eine halbe Million Menschen. Sie skandierten Slogans wie "Regierung - Mörder" und "Regierung - Terroristen". Begonnen hatte alles mit einem in Algerien längst banalen Vorkommnis: Am 18.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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