Ausgabe August 2001

Vorbeugende Kriegspropaganda

Pearl Harbour war, um ein bekanntes Diktum zu paraphrasieren, das Ereignis, das hätte erfunden werden müssen, wenn es nicht passiert wäre: Der "feige Überfall" auf die US-amerikanische Militärbasis auf den Hawaii-Inseln lieferte endlich den Vorwand für den längst vorbereiteten Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg: Alle Instanzen waren so perfekt eingestellt auf jenen "definite threat", den die Regierung als Bedingung für das Losschlagen gestellt hatte, daß seither die These von der kompletten Überrumpelung immer wieder Zweifel weckte. So kam nach dem Krieg ans Licht, daß die US-Abwehr sehr wohl von der in Richtung Hawaii ausgelaufenen japanischen Flotte wußte und jede ihrer Bewegungen verfolgte. Viele weitere Indizien stützen die These, die USA hätten mit der Attacke gerechnet und mehr als 2 000 tote amerikanische Soldaten in Kauf genommen, um endlich die Antikriegsstimmung in der Bevölkerung auszuschalten. Die offizielle Lesart wurde allerdings nie revidiert.

Eine ähnliche Unklarheit besteht auch in bezug auf die Landung in der Normandie, und der Vorwurf, man hätte die GIs aufgrund unzulänglicher Vorbereitungen zu Tausenden "verheizt", ist indirekt in dem Film Saving Private Ryan zu einer Bilderorgie von deprimierenden Szenen eines sinnlosen Blutbades verarbeitet worden.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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