Ausgabe Januar 2002

CSU des Nordens

Profil und bundespolitische Perspektiven der Schill-Partei

Noch nie gab es in der Bundesrepublik einen Stimmenzuwachs um 19,4%, und das vom Nullpunkt aus, wie bei der Hamburg-Wahl für die Schill-Partei. Hat da jemand eine neue Formel der Macht erfunden? Verhilft Schill dem in den 1990er Jahren angewachsenen Rechtspopulismus zum Durchbruch? Oder entspricht er - so seine Selbstdeutung - eher einer "CSU des Nordens", ohne Kruzifix und Lederhosen? Zeigt er, wie in Hamburg, dem bürgerlichen Lager einen neuen Weg zur Macht? Auf welche Bedingungen und Strategien kommt es also bei Schills Versuch einer bundespolitischen Expansion an?

Der Erfolg von Hamburg

Bei ihrem Hamburger Wahlerfolg stärkte die Schill-Partei das bürgerliche Lager dadurch, daß sie in beträchtlichem Umfang SPD-Wähler, Wähler vom rechten Rand und vormalige Nicht-Wähler bzw. Parteienverdrossene auf sich ziehen konnte. Die SPD kompensierte ihre Verluste durch einen starken Zugang grüner Wähler, aber der Erfolg der Schill-Partei bei sozialdemokratischen Wählern ist viel größer, berücksichtigt man, daß die großen Verluste der Hamburger SPD 1997 (4,2%) zu einem beträchtlichen Teil den beiden Rechtsparteien zugute kamen. Auch wenn die Schill-Partei CDU- und FDP-Wähler auf sich zog, stärkte sie als Sammlungspartei im Saldo das bürgerliche Lager.

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