Ausgabe April 2002

Stabilitätspakt auf der Kippe

Die Länder der europäischen Währungsunion haben sich verpflichtet, mit ihren jährlichen nationalen Haushaltsdefiziten drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht zu überschreiten. "Stabilitäts- und Wachstumspakt" heißt dieser Bestandteil des MaastrichtVertrages, was auf die Behauptung hinausläuft, mit einem ausgeglichenen Haushalt lasse sich der Außenwert des Euro "stabilisieren" und das Wirtschaftswachstum beschleunigen. Auch wenn sich Regierungen auf die zu Grunde liegende Wirtschaftstheorie festgelegt haben: Die Frage bleibt, ob diese Theorie zutrifft und ob sie sich allgemein in der Praxis bewährt hat. Eine ernsthafte Debatte dieser Frage aber findet kaum statt. Die jüngste Auseinandersetzung zwischen der Europäischen Kommission und den Finanzministern über die Haushaltsdefizite Deutschlands und Portugals demonstriert dies erneut. Viel Gerede und wenig substantiierte Gedanken beherrschen die Szene. Nach dem sachlichen Zusammenhang von Haushaltsdefiziten, Wirtschaftswachstum und dem Wechselkurs des Euro wird so gut wie nicht gefragt.

Ohnehin scheint ja alles klar zu sein, nachdem die ökonomische Rechte den Ton angibt.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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