Ausgabe Januar 2003

Die Zukunft des Elysee-Vertrags

Nicht nur in der Retrospektive, sondern schon zum damaligen Zeitpunkt bestand eine der herausragenden historischen Leistungen der Nachkriegszeit in der Überwindung des feindlichen Gegensatzes zwischen Deutschland und Frankreich, in der Umwandlung eines konfliktbeladenen Verhältnisses in eine konstruktive Zusammenarbeit.1 Die erfolgte Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich fand durch den Elysée-Vertrag gewissermaßen ihre symbolische Krönung, besiegelte also in feierlicher Form die deutsch-französische Partnerschaft.

Dabei darf nicht vergessen werden, dass die Aussöhnung von ganz bestimmten Faktoren beeinflusst war. Erstens, ganz grundlegend, von neuen internationalen Rahmenbedingungen nach 1945: Die zukünftigen bilateralen Beziehungen standen unweigerlich im Schatten des bipolaren Systems der Weltmächte, welches das deutsch-französischeVerhältnis entschärfte, es in gewisser Hinsicht überlagerte. Vor dem Hintergrund des Ost-West-Konfliktes setzte sich allmählich das Konzept der Sicherheitspartnerschaft durch, ein Konzept der kooperativen Einbindung Deutschlands in den Westen, genauer: die Einbindung Westdeutschlands in den europäischen Integrationsprozess.

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Erfahrung der Freiheit: Die Kinder von Tschernobyl

von Olga Bubich

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl traf die armen Regionen in Belarus besonders hart. Gut eine Million Kinder aus den verstrahlten Gebieten konnten über humanitäre Programme jahrelang ein paar Wochen in anderen europäischen Ländern verbringen.