Ausgabe Februar 2004

Wir werden diese Grenze nicht überschreiten

Brief von 13 israelischen Elitesoldaten an Ministerpräsident Ariel Scharon vom 22. Dezember 2003 (Wortlaut)

Am 22. Dezember 2003 erklärten 13 Soldaten der israelischen Kommandoeinheit Sajeret Matkal, den Dienst in den palästinensischen Gebieten künftig zu verweigern. Sie folgten damit dem Beispiel anderer Gruppen aus allen Teilen der israelischen Streitkräfte. Erstmals hatte sich im Januar 2002 eine Gruppe von 50 Soldaten öffentlich geweigert, in den besetzten Gebieten Dienst zu tun. Am 25. September 2003 erklärten 27 Kampfpiloten, nicht mehr an Luftangriffen auf palästinensische Zivileinrichtungen teilzunehmen. (Vgl. den Wortlaut der Erklärung in: "Blätter", 11/2003, S. 1400-1401.) Die Elitetruppe Sajeret Matkal, in der unter anderem die Ex-Ministerpräsidenten Ehud Barak und Benjamin Netanjahu gedient haben, genießt in Israel einen legendären Status. Die Verweigerung löste deshalb eine heftige Kontroverse aus. Vize-Verteidigungsminister Seew Boim forderte, die Soldaten wegen Ungehorsams und Meuterei anzuklagen. Wir dokumentieren die Erklärung in eigener Übersetzung aus dem Englischen (weitere Informationen unter: www.seruv.org). – D. Red.

Herr Ariel Scharon,

wir, Bürger Israels, die ihre Pflicht als Reservesoldaten erfüllen, Kämpfer und Offiziere, Veteranen von Sajeret Matkal, haben uns entschlossen, den anderen voranzugehen, so wie man es uns gelehrt hat. Aus Besorgnis um die Zukunft Israels als einem jüdischen, zionistischen, demokratischen Staat und aus Angst um seine moralische Integrität erklären wir:

Wir werden uns nicht länger an der Besetzung der Gebiete beteiligen.

Wir werden nicht mehr dazu beitragen, Millionen von Palästinensern ihrer Grund- und Menschenrechte zu berauben.

Wir werden nicht länger als Schutzschild in dem Kreuzzug der Besiedlung dienen.

Wir werden nicht weiter unser Gewissen bei Einsätzen der Unterdrückung korrumpieren. Wir werden nicht länger unsere Verantwortung als Soldaten der israelischen VERTEIDIGUNGS- Streitkräfte verleugnen.

Wir haben Angst um die Zukunft der Kinder dieses Landes, die permanent mit Übeln konfrontiert sind, die nicht nötig wären, mit Übeln, für die wir mit verantwortlich sind. Wir haben schon vor langer Zeit die Grenze jener überschritten, die für ihren eigenen Schutz kämpfen; wir stehen kurz vor der Grenze zu jenen, die kämpfen, um ein anderes Volk zu erobern.

Wir werden diese Grenze nicht überschreiten!

Wir betonen, dass wir weiterhin Israel und seine Bürger schützen werden.

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