Ausgabe Mai 2004

Das Exempel Jassin

oder Wie Ariel Scharon Recht behält

Scheich Ahmed Jassin war der 327. Palästinenser, der seit Beginn der zweiten Intifada einer "gezielten Tötung" zum Opfer fiel. So heißt in Israels Regierungsjargon der Raketenangriff auf den Gründer der islamischen Widerstandsbewegung Hamas. Hamas, ein Produkt der ersten Intifada, hat den Oslo-Prozess von Anfang an politisch wie militärisch bekämpft und propagiert einen islamischen Staat Palästina auf dem gesamten ehemaligen Mandatsgebiet. Dabei verlangt ihr "bewaffneter Arm", die Kassem-Brigaden, mit Terroranschlägen auf israelischem Territorium dem Gegner einen hohen Blutzoll auch unter Zivilpersonen ab.

In jüngster Zeit haben hohe Funktionsträger allerdings eingestanden, dass eine "Befreiung" des ganzen Palästina wohl nur schrittweise möglich sein wird, was sich als Annäherung an die Anerkennung der Zweistaatenlösung in den Grenzen von 1967 deuten lässt. Es sind indes weniger die ideologischen Positionen der Hamas, die der Organisation Zulauf bescheren, als vielmehr ihr Netz an sozialen Einrichtungen und die Glaubwürdigkeit ihres Einsatzes in der zweiten Intifada.

Jassin war das politische und geistliche Oberhaupt der Hamas.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Südsudan: Krieg im Patronagestaat

von Simone Schlindwein

Seit nunmehr drei Jahren tobt im Sudan ein brutaler Krieg zwischen dem sudanesischen Militär SAF und der paramilitärischen Miliz RSF mit ihren rivalisierenden Anführern General Abdelfatah al Burhan und General Mohammed Hamdan Daglo; mehre Millionen Menschen wurden seither innerhalb des eigenen Landes und in Nachbarländer vertrieben, Hunderttausende getötet.