Ausgabe Juni 2026

Russische Kultur im Dienst des Krieges

Die Sängerin Polina Gagarina tritt im Kremlpalast auf, 7.12.2018 (IMAGO / ITAR-TASS / Vyacheslav Prokofyev)

Bild: Die Sängerin Polina Gagarina tritt im Kremlpalast auf, 7.12.2018 (IMAGO / ITAR-TASS / Vyacheslav Prokofyev)

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine berührt auch den westlichen Kulturbetrieb. Das zeigte sich zuletzt an den Debatten um die Venedig-Biennale, eine der wichtigsten Kunstschauen der Welt: Wenige Tage vor Eröffnung trat die Jury geschlossen zurück und reagierte damit auf die massiven Proteste gegen die Entscheidung, russische Künstler zuzulassen. Der Kreml wiederum nutzt Kultur gezielt für seine Zwecke, so die Germanistin Oksana Havryliv.

Als in diesem Jahr beim Wiener Opernball der Walzer Nr. 2 von Dmitrij Schostakowitsch erklang – im Westen oft schlicht »Russischer Walzer« genannt –, schien einmal mehr jene Vorstellung bestätigt, die sich in Europa hartnäckig hält: dass Kultur über der Politik stehe. Doch diese Trennung existiert in Russland nicht – sie spielt vielmehr dem Kreml in die Hände.

In Russland wird Kultur politisch in-strumentalisiert und im Sinne des Soft-Power-Konzepts als wichtiger Bestandteil der russischen Propaganda eingesetzt. Der Politikwissenschaftler Martin Malek hat dazu in offiziellen Kremldokumenten recherchiert und zitiert offenherzige Aussagen wie diese: »Kultur soll einen wesentlichen Beitrag zur Steigerung der Effizienz der russländischen Außenpolitik leisten […], den nationalen Interessen Russlands dienen […], die Zahl der Freunde Russlands erhöhen […] und antirussländische Stimmungen politisch-ideologischer Herkunft neutralisieren.

»Blätter«-Ausgabe 6/2026

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social-Media- kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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