Algerien, so will es seine Regierung, soll endlich ein anerkannter Bestandteil der Weltwirtschaftsordnung werden. Bisher wurde das Land vorwiegend als Rohstofflieferant für Rohöl und Erdgas, kaum aber als wirtschaftlicher Akteur wahrgenommen. Nunmehr versucht der nordafrikanische Staat, auch potenzielle Investoren anzulocken und sich als attraktiven Anlageort anzupreisen. In der Regel konnte er bisher nur mäßigen Erfolg verbuchen, da westliche Unternehmen und multinationale Konzerne in den vergangenen Jahren nur geringes Interesse zeigten, in Algerien zu investieren, sondern das Land eher als reinen Absatzmarkt für ihren Produktüberschuss zu nutzen versuchen. Letzteren werden sie in Algerien in der Regel bequem los, da ein Großteil der einheimischen wirtschaftlichen Akteure im Sektor der als Trabendo bezeichneten Schattenwirtschaft – die sich in den 80er Jahren im damaligen staatssozialistischen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems etablierte – tätig sind. Dieser Teil der Privatbourgeoisie lebt davon, dass er importiert. Bedeutende Teile dieser Einfuhren sind illegal, können aber deshalb ungebremst erfolgen, weil hohe Militärs oder Staatsbürokraten ihre schützende Hand über Protégés aus dem "informellen" Privatsektor halten und dabei selbst abkassieren. Bisher profitieren viele internationale Unternehmen von diesen Verhältnissen und zeigen keine sonderliche Neigung, darüber hinaus wirtschaftlich in Algerien aktiv zu werden.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.