Algerien, so will es seine Regierung, soll endlich ein anerkannter Bestandteil der Weltwirtschaftsordnung werden. Bisher wurde das Land vorwiegend als Rohstofflieferant für Rohöl und Erdgas, kaum aber als wirtschaftlicher Akteur wahrgenommen. Nunmehr versucht der nordafrikanische Staat, auch potenzielle Investoren anzulocken und sich als attraktiven Anlageort anzupreisen. In der Regel konnte er bisher nur mäßigen Erfolg verbuchen, da westliche Unternehmen und multinationale Konzerne in den vergangenen Jahren nur geringes Interesse zeigten, in Algerien zu investieren, sondern das Land eher als reinen Absatzmarkt für ihren Produktüberschuss zu nutzen versuchen. Letzteren werden sie in Algerien in der Regel bequem los, da ein Großteil der einheimischen wirtschaftlichen Akteure im Sektor der als Trabendo bezeichneten Schattenwirtschaft – die sich in den 80er Jahren im damaligen staatssozialistischen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems etablierte – tätig sind. Dieser Teil der Privatbourgeoisie lebt davon, dass er importiert. Bedeutende Teile dieser Einfuhren sind illegal, können aber deshalb ungebremst erfolgen, weil hohe Militärs oder Staatsbürokraten ihre schützende Hand über Protégés aus dem "informellen" Privatsektor halten und dabei selbst abkassieren. Bisher profitieren viele internationale Unternehmen von diesen Verhältnissen und zeigen keine sonderliche Neigung, darüber hinaus wirtschaftlich in Algerien aktiv zu werden.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.