Ausgabe März 2007

Kindersoldaten: Sklaven der Front

Ende Januar d.J. leitete der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag einen Präzedenzfall ein, der von Menschenrechtsaktivisten als notwendiges Signal der internationalen Gemeinschaft begrüßt wurde: Das Gericht erhob Anklage gegen den Warlord Thomas Lubanga, der während des kongolesischen Bürgerkriegs die „Union Kongolesischer Patrioten“ anführte und als Kommandant ihres militärischen Arms, so die Anklage, zahlreiche Kindersoldaten rekrutieren ließ.1

Damit nimmt der seit 2002 bestehende IStGH seinen ersten Prozess überhaupt auf. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, wird die Täterschaft der (Zwangs-)Rekrutierung von Kindersoldaten endlich juristisch geächtet – schließlich ist der Zwang, als Soldat zu handeln und zu töten, neben Prostitution der schlimmste Missbrauch von Kindern, und Rekrutierung und Einsatz von Kindern unter 15 Jahren als Soldaten sind sowohl durch die internationale Menschenrechtsgesetzgebung als auch durch internationales humanitäres Recht verboten.

Doch Lubanga steht nich allein: Studien der Vereinten Nationen zufolge sind weltweit in mindestens 20 Ländern rund 300 000 Jungen und Mädchen betroffen. Ihr Einsatz in Konflikten wird insbesondere durch den weitgehend unregulierten Kleinwaffenhandel und den damit verbundenen leichten Zugang zu Waffen möglich, da diese Waffen billig und einfach zu bedienen sind – das Töten wird zum „Kinderspiel“.

Sie haben etwa 12% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 88% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema